Invasion der Wollläuse und die Folgen

Invasion der Wollläuse und die Folgen

Beitragvon Boro » Freitag 2. November 2018, 10:27

Wollläuse oder Schmierläuse (Pseudococcidae) haben meinen Zitrusstrauch erobert. Schon seit 2 Jahren habe ich den Befall festgestellt und immer halbherzige Gegenmaßnahmen ergriffen. In diesem Jahr ist es besonders arg. Vielleicht handelt es sich um die Zitrusschmierlaus (Pianococcus citri), die könnte ja eingeschleppt worden sein. Die Pflanze sieht inzwischen hässlich aus, vor allem bildet sich auf den Blättern am abgespritzten Honigtau der schärzliche Rußtaupilz. Aber was soll ich machen, was geht vor: Schönheit der Pflanze oder letzte Nahrung für Insekten? Ich habe mich vorläufig für letzteres entschieden. Die Zitrone gehört zu den Rautengewächsen, daher wurde auch der Diptam (Dictamnus alba) befallen, nicht aber die Weinraute (Ruta graveolens). Auch eine bei mir vorkommende Brennnessel zeigt Befall (!).
Jedenfalls beobachte ich in den letzten warmen Tagen (wenn es einmal nicht regnet) ein reges Treiben, das ich in einigen Fotos festgehalten habe. Ameisen treten nur mehr selten in Erscheinung: wenige Lasius niger, L. emarginatus, Formica cunicularia, F. fuscocinerea; im Sommer konnte ich noch F. rufibarbis, F. fusca und die am Haus wohnende Camponotus fallax sehen. Wie erwartet, waren die Lasius-Arten dominant. Alle lecken den abgespritzten Honigtau auf. Interessantes Detail: Trophobiose im engeren Sinn kommt nicht vor, es gibt nur eine einseitige Nutzung durch die Ameisen, etwa eine Schutzfunktion gegenüber Fressfeinden der Läuse konnte ich nicht feststellen.
Wenn sich noch schöne Tage ergeben, gehe ich wieder auf "Fotosafari" und versuche noch andere Insekten zu finden......
L.G.
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Dateianhänge
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Eine Polistes nimpha kommt noch vorbei, an anderer Stelle habe ich sie schon vorgestellt
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Überall am Strauch zu finden: Woll- od. Schmierläuse
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Wespen (Vespula germanica) sind zahlreich vertreten, teilweise jagen sie noch ebenfalls anwesende Fliegen; ein Hinweis, dass sie noch Brut zu versorgen haben! Der Marienkäfer wurde kaum beachtet
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Ein Wespen-Männchen leckt Honigtau auf
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Lasius emarginatus, extrem flink unterwegs, daher leider ein schlechtes Foto
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Schwebfliege mit eigenartigem Bewegungsmuster: Kein Schweben, rascher Flug von Blatt zu Blatt und dort längere Laufstrecken (Nachahmung einer Wespe nicht durch Färbung, sondern durch Bewegung?)
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"typische" Schwebfliege (Syrphidae)
Boro
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Re: Invasion der Wollläuse und die Folgen

Beitragvon Boro » Donnerstag 8. November 2018, 20:24

Endlich wieder Sonne - und schon sind neue Gäste am Zitronenbäumchen mit den Wollläusen eingetroffen:
Nebenbei gibt es einige Fliegen-Arten, das sind aber nicht meine Foto-Lieblinge! Die gelblichen Blätter zeigen an, dass die Pflanze krank ist (Chlorose).
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Eine Schabe leckt am Blatt, so wie es aussieht eine Bernstein-Waldschabe. Davon haben wir hier genug!
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Sieht man öfter, aber mir fällt der Name nicht ein: Schnell unterwegs und ständig mit den Flügeln schlagend
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In der Morphologie praktisch ident, nur kleiner und ganz schwarz
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Schwer zu fotografieren, da in steter Bewegung: Formica fuscocinerea
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Und wieder ein Vespula-Männchen, das vom 2. 11. dürfte schon längst tot sein.
Boro
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Re: Invasion der Wollläuse und die Folgen

Beitragvon Merkur » Freitag 9. November 2018, 12:49

Hallo Boro,

Die beiden Fliegenarten sind Schwingfliegen (Sepsidae). Sie nehmen gerne Honigtau auf. Larven entwickeln sich in Tierkot und faulenden Pflanzenabfällen.

MfG,
Merkur
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Re: Invasion der Wollläuse und die Folgen

Beitragvon Boro » Mittwoch 14. November 2018, 16:30

Danke Merkur für den Tipp!
Mir ist eingefallen, dass vor 2, 3 Wochen auch eine schwarze, solitäre Wespe zu Gast war. Ich vermute, es handelt sich um eine Grabwespe, zwischendurch hielt sie noch nach Spinnen Ausschau. Die Tiere sind so unruhig und extrem flink, da ist es schwer, ein "vernünftiges" Foto zustande zu bringen (3060). Vor zwei Tagen war "meine" Polistes nimpha wieder anwesend, es hatte nur 13°C. Nach meinen jahrzehntelangen Beobachtungen fliegen Polistes-Gynen erst ab etwa 15°C aus, Arbeiterinnen erst ab durchschnittlich 20°C. Mit schwerem gastralen Magen flog sie wieder mit einiger Anstrengung Richtung Nest. In diesem Fall muss man davon ausgehen, dass sowohl der Neststandort wie auch die Futterquelle gut besonnt sind.
Und: Jedes Mal sehe ich ein Vespula-Männchen, ob es doch noch das gleiche Insekt vom ersten Mal ist? (3246).
L.G.
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Vermutlich eine Grabwespe
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Eine andere Schwebfliege
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Sie wollte gerade "abschweben"
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....und das treue Wespen-Männchen
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