Camponotus truncatus, syn. Colobopsis truncata

Camponotus truncatus, syn. Colobopsis truncata

Beitragvon Boro » Mittwoch 16. März 2016, 14:02

Camponotus (Colobopsis) truncatus (Leach, 1825) wurde bisher als Untergattung zu Camponotus gestellt. Seit kurzem soll diese Art zu einer eigenen Gattung Colobopsis zählen, darüber wurde hier schon berichtet: viewtopic.php?f=23&t=588&p=10520&hilit=Colobopsis#p10520 Es handelt sich um eine streng arborikole Art, die oft übersehen wird. Bei uns ist die Art häufiger, sie kommt auch in Parkanlagen und im randurbanen Bereich von Klagenfurt vor; Bei mir wohnt Colobopsis seit vielen Jahren im Dachstuhl des Hauses, aber einzelne Gynen finde ich fast jedes Jahr irgenwo im Garten. Mein ältester Sohn hat(te) sie als Hausameise, wohnhaft in der Basis eines Türstocks. Bekanntlich ist es die einzige Art Mitteleuropas mit einer Soldatenkaste (sofern man Pheidole pallidula nicht zählt!), die wegen der eigenartigen Kopfform ("Stöpselkopfameise") als "Türschließermorphe" bezeichnet wird. Die Gynen fallen durch ihren "schlanken" Körperbau auf, der sicherlich das "Hineinzwängen" in enge Gänge des Totholzes erleichtert.
Das letzte Foto zeigt 2 Individuen an der Nahrunsquelle. Colobopsis truncatus und Dolichoderus quadripunctatus bewohnen oft die gleichen Bäume, ein "Zusammentreffen" ist manchmal unvermeidlich. Besser wäre die (nicht verfügbare) Abb. einer Minor-Arbeiterin v. Colobopsis gewesen, da würde man deutlich erkennen, dass sich die beiden Arten recht ähnlich sehen, oft auf den ersten Blick nur durch andere Bewegungsmuster zu unterscheiden. Eine Mimikry in die eine od. andere Richtung wäre denkbar!
L.G.
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IMG_4361psa.jpg
Gyne in der Beobachtungsbox, durch das Glas fotografiert (Foto: Roman Borovsky)
DSC03000.JPG
Türschließermorphe
DSC03027.JPG
etwas anderer Blickwinkel, gut sichtbar ist die abgeflachte Frontpartie des Kopfes, mit deren Hilfe kleine Nesteingänge nach außen verschlossen werden
DSC00895.JPG
Hier ein Foto schlechterer Qualität, es zeigt eine Gyne der Art mit einer Arbeiterin v. Dolichoderus quadripunctats an der gleichen Nahrungsquelle. Text siehe oben!
Boro
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Re: Camponotus truncatus, syn. Colobopsis truncatus

Beitragvon Boro » Dienstag 7. Juni 2016, 14:04

Endlich ein gutes Bild einer Camponotus truncatus-Arbeiterin. Man kann erkennen, dass auch bei der Arbeiterin die Frontpartie des Kopfes etwas abgeflacht erscheint, jedenfalls im Unterschied zu anderen Camponotus spp., sofern man sie hier noch dazurechnet. Foto: Roman Borovsky
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IMG_7524Graz.jpg
Die Arbeiterinnen sind klein: Etwa 4 mm, die Soldaten sind durchschnittlich 1 mm länger
Boro
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Re: Camponotus truncatus, syn. Colobopsis truncata

Beitragvon Boro » Samstag 1. Juli 2017, 18:08

Camponotus truncatus (jetzt Colobopsis truncata) sieht man nicht so häufig, da er vorwiegend auf Bäumen lebt. Gynen kann man hin und wieder nach dem (nächtlichen) Schwärmen sehen, aber sehr selten findet man Männchen der Art! Hier haben wir eines (leg. G. Kunz, det V. Borovsky, Foto: Roman Borovsky)
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_MG_3529web.jpg
Männchen v. Camponotus truncatus (Colobopsis truncata)
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Re: Camponotus truncatus, syn. Colobopsis truncata

Beitragvon Reber » Sonntag 2. Juli 2017, 13:43

Danke für die tollen Bilder! Es kommt eher selten vor, dass ich Ameisenmänchen als "schön" bezeichen würde, bei Colobopsis truncatus ist das der Fall.
Ich halte selber eine kleine Kolonie der Art, die auch mitten in Bern vorkommt. Dass die Art selten beobachtet werden kann, liegt sicher an der von dir beschriebenen Lebensweise und der Mimikry. Selber habe ich C. truncatus jahrelang übersehen und denke mitlerweile auch zu wissen wieso: Überall wo ich Arbeiterinnen bisher entdecken konnte, kommen sie zusammen mit anderen, viel zahlreicheren, Ameisen vor. Bei meinen Beobachtungen bisher immer mit Dolichoderus quadripunctatus, meist gibt es an den alten Bäumen noch Temnothorax sp., manchmal sogar dominante Arten wie Lasius brunneus!
Im Formicarium legt die Art ebenfalls eine sehr zurückhaltende Lebensweise an den Tag: Die "Aussendienstarbeiterin" (keine Soldatin!) ist selten bei der Arbeit zu beobachten und immer alleine unterwegs - ausser wenn ich grosse Insekten in unmittelbarer Nestnähe anbiete, dann kommen auch mal 2 bis 3 Arbeiterinnen raus, meistens um die Beute irgendwo zu verstecken. Wenn mich die Aussendienstlerin bemerkt, bleibt sie regungslos stehen und wartet. Der Nesteingang wird immer von einer Soldatin bewacht. Die Kolonie verweilt in mehrere Gruppen aufgeteilt dicht aufeinandergedrängt über der Brut (es gibt übrigens nur Nacktpuppen) in den Gängen des Nestes. Kammern mögen sie nicht (höchstens als Müllablage).
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"Obgleich die Welt ja, so zu sagen,
Wohl manchmal etwas mangelhaft,
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