Dolichoderus quadripunctatus

Dolichoderus quadripunctatus

Beitragvon Boro » Samstag 26. April 2014, 10:44

Dolichoderus quadripunctatus gehört zu den Drüsenameisen. Sie gilt als thermophil und strikt arborikol. Man findet sie daher in altem Baumbestand, an Waldrändern, in naturbelassenen Hausgärten, Streuobstwiesen usw. Bei uns ist sie in den genannten Habitaten regelmäßig anzutreffen, in meinem Garten ist sie häufig. Die Zahl der Nester lässt sich kaum jemals genau feststellen, weil ein Volk häufig mehrere Neststandorte bewohnt. Zwischen diesen verstreuten Nestern besteht ein ständiger Kontakt oder Populationsaustausch. Ganz klar ist mir das nicht, in dichten Straßen laufen sie zwischen diesen Orten hin und her, bei geeignetem Wetter wochen- u. monatelang. Ein ständiger Kontakt scheint zur Sicherung des Nestduftes wichtig, auch der Austausch v. Nahrung u. das Hin- u. Hertragen der Brut ist noch irgendwie verständlich. Im März konnte ich keine Brut entdecken u. es gab keine Nahrung. Wieso laufen sie trotzdem ununterbrochen hin und her? Auf diese Frage kann ich derzeit keine Antwort finden, es handelt sich jedenfalls um Verbrauch von Energie, der erst jetzt mit dem reichlichen Nektar der Rhododendronblüte ausgeglichen werden kann.
Die Außenaktivität beginnt bei völliger Abschattung des Nestes eindeutig ab 15°C (wiederholte Messungen mit einem geeichten Thermometer, vgl. dazu SEIFERT S. 254) und dauert v. Mitte März bis Ende Oktober.
Eine Art mit einer interessanten Biologie. Die Nesteingänge bestehen aus nur winzigen Öffnungen im Totholz. Die Art steht in der Dominanzhierarchie weit unten und ist nicht aggressiv, aber ein wenig zerren oder rangeln muss auch sein; vermutlich handelt es sich hier um Arbeiterinnen verschiedener Nester.
Ein paar Bilder sollen sie den usern näher bringen:
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Re: Dolichoderus quadripunctatus

Beitragvon eastgate » Samstag 26. April 2014, 11:05

Hallo Boro,

Danke für diesen Beitrag.

Ich beobachte schon seit ca. 10 Jahren eine Kolonie dieser Art in Berlin Steglitz. Sie lebt in einer Kleingartenkolonie in einer Weinrebe. Diese Weinrebe wächst auf einem Holzgestell, welches mittlerweile sehr Morsch ist. Leider soll die Weinrebe samt Holzgestell diesen Sommer einem größeren Gartenhaus weichen.

Aufgrund der Seltenheit dieser Art werde ich versuchen die Kolonie irgendwie zu retten...
Zumindest die Besitzer (welche ich sehr gut kenne), haben Verständnis für diese Situation und wollen mich auf jeden Fall rechtzeitig informieren, damit ich eine Chance habe etwas zu unternehmen.

Gruß

eastgate
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Re: Dolichoderus quadripunctatus

Beitragvon Boro » Samstag 26. April 2014, 11:41

Die Ameisen dürften - wie bei mir - vorwiegend im Holzgestell leben, sehr verstreut! Die Weinrebe benutzen sie ziemlich sicher nur wegen der Rindenläuse (od. der süßen Säfte im Herbst)...
Bei mir werden die Dachlatten alle paar Jahre morsch, teils komplett v. den lieben Tierchen zerfressen. Ich konnte die ganzen alten Holzlatten nicht (wie geplant) wegwerfen, weil versteckt überall Zweignester waren. Die sieht man oft nicht, weil die Tiere bei Gefahr vollkommen still halten od. das Nest vorübergehend nicht verlassen. Also: Wenn die Holzlatten abgetragen sind, wenn möglich unbedingt genau auf "Inhalt" prüfen.
L.G.

P.S.: Warum das dritte Bild beim Anklicken plötzlich senkrecht steht, bleibt ein Rätsel!
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Re: Dolichoderus quadripunctatus

Beitragvon Boro » Dienstag 5. Mai 2015, 17:07

Dolichoderus quadripunctatus ist bereits sehr aktiv. Am Beginn dieses Threads habe ich schon auf die polydomen Neststrukturen hingewiesen und vor allem auf - den mir nicht ganz erklärlichen - pausenlosen Kontakt zahlloser Individuen die zwischen den einzelnen Nestformationen hin- und herlaufen. Das ist heuer wieder so, seit Ende März!
Heute ist mir aufgefallen, dass viele Tiere förmlich in einer lockeren "Ameisenstraße" vom Holzgerüst auf die Wiese laufen. Dieses Verhalten ist ungewöhnlich, denn die strikt arborikole Art versucht den Bodenkontakt weitgehend zu vermeiden. Ich habe die "Straße" im dichten (noch ungemähten) Gras verfolgt und konnte dann das Ziel der Wanderung entdecken: Mein blühender Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) in 3 m (!!) Entfernung. Wie sind sie auf diese Nahrungsquelle gestoßen? Es könnte der intensive Duft der Blüten sein, dabei steht ein blühender Rhododendron sozusagen vor der Haustüre! Die Blüte des Kirschlorbeers zieht übrigens zahllose andere Insekten an!
Ich habe schon im alten AF Bilder gezeigt, wie deutlich nektarivor die Ernährung dieser Art ausgerichtet ist und zwar die direkte Ausbeutung floraler Nektarien, also des Blütennektars z. B. des Rhododendron. Jetzt kommt der Kirschlorbeer dazu. Außerdem werden auch immer wieder Pollen eingetragen, vermutlich als Eiweißquelle. Ich hatte damals die Beute unter das Bino gelegt und sie erwies sich eindeutig als Pollen. SEIFERT (S. 252, 254) erwähnt diese Ernährungsstrategie nicht. "Ernährung: Hauptsächlich zoophag, heruntergetropfter Honigtau wird aufgenommen, aktive Trophobiose bisher nicht beobachtet."
Das müsste man an dieser Stelle eigentlich ergänzen. Abgesehen davon nützt die Art auch Vogelkot, an dem bei Gelegenheit oft geleckt wird.
Die Bilder dazu v. alten AF habe ich noch irgendwo, ich werde sie herausssuchen!
L.G.
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Re: Dolichoderus quadripunctatus

Beitragvon Wabuo » Dienstag 5. Mai 2015, 19:04

@Boro Das Bild deines Sohnes(Steht so in den Exif Daten) dreht sich weil in der Datei „steht″ das es ein hochkant Bild ist. Zum Ändern einfach mit dem Bildbearbeitungsprogramm deiner Wahl öffnen und gedreht speichern …
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Re: Dolichoderus quadripunctatus

Beitragvon Boro » Mittwoch 6. Mai 2015, 08:40

Danke Wabuo. Ich warte, bis mir der Sohn das "repariert". Ich hab dir eine PN geschrieben!
L.G.
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Re: Dolichoderus quadripunctatus

Beitragvon Boro » Mittwoch 6. Mai 2015, 10:48

Hier die ersten (alten) Bilder vom Blütenbesuch der Art, aber auch süßes, reifes Obst wird gerne aufgesucht!
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Gemeinsam naschen Dolichoderus (leider unscharf) und Camponotus truncatus an einem Stück Apfel. Beide Arten leben oft am gleichen Baum.
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Die Blüten d. Rhododendrons wurden von unzähligen Arbeiterinnen aufgesucht!
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Eine andere Rhododendronblüte
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Re: Dolichoderus quadripunctatus

Beitragvon Phil » Mittwoch 6. Mai 2015, 23:19

Tolle Bilder, Boro - ist Dir aufgefallen, dass es sich um eine C. truncatus Königin handelt? Wann wurde das Bild denn aufgenommen?

Grüße, Phil
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Re: Dolichoderus quadripunctatus

Beitragvon Boro » Donnerstag 7. Mai 2015, 10:07

Ja, das ist nicht das erste Mal, dass ich eine furagierende Gyne im Herbst antreffe! Daraus leitet sich die Frage nach der Gründungsstrategie ab. Ich gehe davon aus, dass alle heimischen Camponotus-Arten claustral gründen, aber ist das auch bei Camponotus (Colobopsis) truncatus der Fall? http://ameisenwiki.de/index.php/Camponotus_truncatus
Nachdem die Schwarmzeit vorwiegend in den Juli/Anf. August fällt, gibt es 3 Möglichkeiten: Entweder die Gyne ist noch auf der Suche nach einem geeigneten Nistplatz oder sie hat diesen gefunden u. beginnt erst im Frühjahr mit der Eiablage oder die Gründung ist bereits erfolgt und die Gyne muss zwischenzeitig auf Nahrungssuche gehen. Der zarte Körperbau bzw. das augenscheinlich geringe Volumen der Flugmuskulatur lässt die Vermutung zu, dass das Individuum vor oder während der Gründungsphase extern auf Nahrungssuche gehen könnte.
Nebenbei: Die damals beobachtete Gyne hat bald ziemlich zielstrebig einen möglichen Nistplatz im Spalt eines hölzernen Zaunpfeilers aufgesucht! Das Foto wurde am 5.9.2012 aufgenommen. Die anderen Bilder stammen aus dem Mai 2012.
L.G.
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Re: Dolichoderus quadripunctatus

Beitragvon Boro » Freitag 8. Mai 2015, 14:16

Die Winzlinge haben inzwischen auch meine Strauch-Pfingstrosen (Paeonia arborea) "erobert" und holen sich dort den Nektar! Daneben kann man sie sehr gut mit ein wenig Honig anlocken. Ihre Massenwanderungen zwischen den einzelnen Neststandorten können auch einen ersichtlichen Zweck haben: Die Verlagerung von Brut, wenn der Platz an einem Standort zu eng wird.
Die unerklärlichen, pausenlosen Massenwanderungen deuten auch darauf hin, dass wir hier über sehr volkstarke Populationen verfügen. Gestern machte ich mir die Mühe, die Zahl der Wanderer zu erfassen: Auf einem Laufmeter konnte ich zeitweise über 60 Tiere zählen. Daraus folgt, dass bei etlichen Metern Laufstrecke und der teilweisen Aufspaltung der Laufstrecken viele hundert Ameisen pro Nestsystem vorhanden sein müssen. SEIFERT spricht von meist nicht mehr als 300 Nestinsassen (S. 254), diese Zahl bekomme ich rein rechnerisch schon anlässlich der Wanderung außerhalb des polydomen Systems zusammen.
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Mit Honig kann man sie leicht anlocken!
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Hier wird eine männliche Puppe transportiert
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...und hier eine Larve.
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...oder eine weibliche Puppe
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Re: Dolichoderus quadripunctatus

Beitragvon Merkur » Samstag 9. Mai 2015, 11:48

Hallo Boro,

Das sind ja beachtliche Zahlen, und Beobachtungen, die nicht nur in einem Forum mitgeteilt werden sollten!
Seifert (und andere Autoren von Büchern oder Zeitschriftenartikeln) können sich ja, neben eigenen Untersuchungen, nur auf publizierte Angaben berufen. Internet-Einträge „verschwinden“ oft allzu schnell, wie wir leider auch in den Ameisenforen erleben mussten.

Natürlich lassen sich solche Beobachtungen nicht in einem der „großen“ Journale wie Insectes Sociaux oder Myrm. News unterbringen, aber gerade in Österreich gibt es meines Wissens noch ein paar kleinere entomologische Blätter (z. B. „Beiträge zur Entomofaunistik“ von der ÖGEF), wo so etwas gut dokumentiert werden kann.
Ich möchte Dich also anregen, über eine formale Publikation Deiner Beobachtungen an D. quadripunctatus nachzudenken! :)

An meinem Nussbaum sind sie jetzt seit ein paar Tagen, zusammen mit Camponotus fallax und C. truncatus sowie Temnothorax affinis, auch wieder aktiv, aber ich kann selten mehr als 10 Dolichoderus gleichzeitig erblicken.
Ca. 1984 habe ich im Garten ein „Xerotherm-Habitat“ eingerichtet. Zu Beginn habe ich das auch mit Materialien aus Unterfranken (Muschelkalk-Gebiet) „dekoriert“ sowie ein paar passende Pflanzen angesiedelt.

Ich konnte beobachten, wie ein ganzes Volk von D. quadripunctatus aus einem dürren Schlehen-Ast, den ich dort eingesteckt hatte, quer über einen Trampelpfad in einen Wacholder-Strauch umzog. Da hatte sich eine regelrechte Straße über 1 bis 1.5 m entwickelt, aber leider war Lasius niger rasch zur Stelle und hat den Dolichoderus ihre Brut abgenommen. Ich habe nie wieder etwas von der Kolonie gesehen. – Von der Existenz der Dolichoderus in dem Schlehen-Ast hatte ich keine Ahnung gehabt, sonst hätte ich ihn natürlich an Ort und Stelle belassen. Mein neu angelegter Garten war damals noch lange nicht „reif“ für solche Ameisen! Die inzwischen im - damals neu gepflanzten - Nussbaum wohnenden Arten sind alle von alleine zugeflogen. :)

MfG,
Merkur
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Re: Dolichoderus quadripunctatus

Beitragvon Boro » Sonntag 10. Mai 2015, 16:31

Dank an Merkur für das bekundete Interesse!
Ja, wenn ich zur Biologie einer Ameisenart, deren Bekanntheitsgrad nicht groß ist, etwas beitragen kann, mache ich das gerne. Ich werde die Idee weiterverfolgen, muss allerdings noch etliche Versuche und Recherchen durchführen. Über den hiesigen Naturwissenschaftlichen Verein habe ich gute Kontakte zur Redaktion der Publikationsreihe "Carinthia II", für die ich fast jedes Jahr etwas schreibe ( f. 2015 ist Proceratium melinum schon eingereicht, ein GEO-Tag der Artenvielfalt steht bevor). Ich würde mich da als ziemlich umtriebig einstufen, nur .....jünger müsste man sein....
L. G.

P.S.: Gestern abend habe ich ein Foto zur Lauffrequenz versucht: Aufgenommen auf einem Balken, Dimension 10 X 10 cm, Länge 2 m. Die Tiere sind ca. 3 mm lang, man erkennt, dass in der Höhe die Dimension des Balkens nicht sichtbar wird, somit dürfte die Länge (Laufstrecke) ungefähr gute 10 cm betragen: 12 Tiere auf 10 cm. Bei längerer Beobachtung des ununterbrochenen Laufstromes erkennt man doch, dass hin und wieder eine Ameise eine kleine Beute zw. den Mandibeln trägt. Da muss ich noch schauen, um was es sich handelt! Nach einem m teilt sich der Laufstrom in 2 und dann noch einmal in eine dritte Linie auf (vermutlich 3 polydome Neststandorte). Die Nester sind durchwegs in den am Balken aufliegenden Dachlatten zu finden (Dimension vorwiegend 3 X 5 cm, in einigen Fällen 5 X 5 cm). Das Lattengerüst dient der Abschattung meiner Rhododendronkulturen.
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Re: Dolichoderus quadripunctatus

Beitragvon Trailandstreet » Montag 11. Mai 2015, 13:28

Eine schöne, leider aber auch sehr seltene Art. Bei uns hier in Niederbayern/Oberösterreich hab ich sie überhaupt noch nie gesehen.
Hinzu kommt wohl noch, dass sie wegen ihrer arboricolen Lebensweise leicht übersehen wird.
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Re: Dolichoderus quadripunctatus

Beitragvon Boro » Donnerstag 14. Mai 2015, 08:43

In der Mitte meines Steingartens befindet sich seit Jahrzehnten eine angepflanzte Manna-Esche (Fraxinus ornus, Ölbaumgewächse). Das mediterrane Gewächs ist gerade noch in Südkärnten heimisch, ich habe mir vor vielen Jahren 2 Jungbäumchen in den Garten geholt. Ein wunderbarer Baum, inzwischen bei uns auch teilweise als Alleebaum gepflanzt, hat eine angenehm mild duftende Blüte, deren Duft man weithin wahrnehmen kann. Nebenbei ist der blühende Baum eine tolle Bienenweide, das deutliche Summen der Bienen erinnert an frühere Jahrzehnte, wo es in den Gärten noch viele Obstbäume und dgl. gab.
Seit Tagen "regnet" es die Blütenreste (cremefarbige Blütenreste, Pollen, Staubgefäße) zu Boden. Mir ist aufgefallen, dass wenige Ameisenarten eifrig diesen Abfall nach verwertbaren Resten durchsuchen: Dolichoderus quadripunctatus, Temnothorax unifasciatus, Temnothorax sordidulus.Ich vermute, dass es hier in erster Linie um Pollen und Reste von Nektar gehen wird.
Dazwischen entdeckte ich zahlreiche Arbeiterinnen v. Dolichoderus, die sich über die Reste von Vogelkot hermachten!
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Eine von mehreren Arbeiterinnen beim Durchsuchen der Blütenreste v. Fraxinus ornus
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Getrockneter Vogelkot wird zerkleinert und abtransportiert.
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Re: Dolichoderus quadripunctatus

Beitragvon Boro » Donnerstag 14. Mai 2015, 09:00

Hallo Trailandstreet!
Ich wüsste keinen Grund, warum Dolichoderus quadripunctatus im Alpenvorland nicht auch gebietsweise häufiger auftreten sollte! Man muss natürlich die geeigneten Habitate bzw. bei arborikolen Arten, die geeigneten Bäume suchen, wobei eine Ansammlung von mehreren Exemplaren am besten von Walnuss oder Eiche von Vorteil wäre.
Gestern untersuchte ich sozusagen im Vorbeigehen (Aufenthalt zw. 2 und 4 Min. pro Baum) eine Walnuss-Allee mit alten Bäumen (Stammdurchmesser in etwa 1 m Höhe zw. 35 und 75 cm). Nachdem die Bäume schon Defekte aufweisen, teilw. größere Höhlungen (1 Hornissennest!!), befürchte ich, dass bald die Männer mit den Kettensägen anrücken werden.
Ergebnis der Kurzbeobachtung an 9 Nussbäumen bis etwa 3 m Höhe:
Dolichoderus quadripunctatus bei 6 Bäumen
Camponotus fallax bei 5 Bäumen
Lasius platythorax bei 3 Bäumen, Nester teilw. in Astlöchern bis 2 m Höhe!
Camponotus truncatus bei 3 Bäumen
Leptothorax acervorum bei 1 Baum
Lasius brunneus bei 1 Baum, Nest vermutlich in über 2 m Höhe, Abwehrkampf gegen aufsteigende Formica rufa vermutlich wegen vermeintlicher Nestbedrohung!
bei einem Baum konnte ich keine einzige furagierende Ameise entdecken.

Wenn man sich jetzt mehr Zeit nehmen u. viell. in größerer Höhe (Leiter!) ebenfalls suchen würde, könnte man sicher weitere Arten (z. B. Temnothorax spp.) finden!
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Re: Dolichoderus quadripunctatus

Beitragvon Trailandstreet » Donnerstag 14. Mai 2015, 23:17

Ja das stimmt, ich muss zugeben, ich hab mit der Zeit wohl auch schon teilweise ein Auge dafür entwickelt, wo man bestimmte Arten entdecken kann. Meist ist man halt leider durch die eigene Körpergröße beschränkt und kann eben nur in den unteren Bereichen der Bäume suchen. Dort finde ich oft Lasius brunneus, Lasius fuliginosus, aber auch oft Temnothorax sp oder gar wie letztens direkt neben der Straße ein Fofmica rufa Nest am Fuße einer alten Lärche.
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Re: Dolichoderus quadripunctatus

Beitragvon ratti » Sonntag 17. Mai 2015, 11:18

Nachdem ich aufmerksam diesem Thread gefolgt bin und eigentlich nach einer Camponotus fallax gesucht habe, konnte ich auch einige dieser schönen Ameisen ausmachen. Standort ist eine ehemalige Obstplantage an der Grenze zwischen Berlin und Brandeburg (mal wieder in der Nähe meines, bei mir beliebten, Mauerstreifens) , die nicht mehr bewirtschaftet wird und mittlerweile ziemlich verwildert ist. Bilder sind leider nicht so dolle, aber ich habe mich gefreut sie zu finden :).

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Re: Dolichoderus quadripunctatus

Beitragvon Boro » Mittwoch 20. Mai 2015, 21:21

Ich hab noch ein paar alte Bilder aus dem Jahr 2008 gefunden, noch mit einer Bridge-Kamera aufgenommen!
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Das Abschattungsgerüst anno dazumal. Der angelehnte Steher ist heute noch dort, ich konnte ihn nicht entsorgen, weil ein großes Nest meiner Ameisen darinnen wohnt
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Eine Arbeiterin läuft auf dem Stempel einer Rhododendronblüte
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Das ist jene Arbeiterin, der ich ihre Beute dann abgenommen habe: Pollenpaket v. Rhododendron!
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Auch damals wurde schon Vogelkot zerlegt und abtransportiert!
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Re: Dolichoderus quadripunctatus

Beitragvon Reber » Samstag 30. Mai 2015, 15:30

Aufgrund der Diskussion hier habe ich in letzter Zeit bei alten Bäumen in Parks und Friedhöfen etwas genauer hingeschaut. Und siehe da: Dolichoderus quadripunctatus kommt auch mitten in Bern vor. Gefunden habe ich eine Kolonie in einer alten Birke. Der Baum wird ausserdem mindestens von zwei weitern Ameisenarten bewohnt: Einer recht starken Lasius brunneus Kolonie und einer(?) Temnothorax oder Leptothorax Art. Möglicherweise kommt auch noch eine kleine Camponotus vor, aber dazu gibts gleich eine Anfrage im Bestimmungsteil.
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Re: Dolichoderus quadripunctatus

Beitragvon Boro » Sonntag 31. Mai 2015, 16:14

Mein Rhododendron hotei dürfte eine der nektarreichsten Sorten sein, die Blüten werden nicht nur - wie üblich - von Hummeln, sondern von vielen Bienen besucht. Nun liegen die meisten Blüten am Boden, die abgebildete hängt gerade noch im Geäst - und wird trotzdem von zahlreichen Dolichoderus besucht, in den anderen vorhandenen Blüten sieht es ähnlich aus.
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abgefallene Blüte im Geäst hängend
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Noch ist Nektar vorhanden....
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