Formica cf. rufibarbis - Haltungserfahrungen

Unterfamilie: Formicinae

Formica cf. rufibarbis - Haltungserfahrungen

Beitragvon FooFighter » Samstag 30. Juli 2016, 17:05

Da mein Start in die Ameisenhaltung mit einer gekauften Kolonie denkbar schlecht ausgefallen ist, starte ich jetzt Versuch Nr.2 mit einer im Juli 2015 selbst gefangenen Königin der Art (soweit die Bestimmung möglich war) Formica cf. rufibarbis. Im verlinkten Thread gibt es Bilder und verschieden Beiträge zu Bestimmung der Art. Auch die neuesten Arbeiterinnen sind immer noch ziemlich klein, trotzdem haben sie eine ziemlich rötliche Färbung (vor allem unter Sonnenlicht), ich bin mir deshalb relativ sicher das es sich um die oben genannte Art handelt.

Das Formicarium besteht aus einem 30x20x30 cm Becken mit einem kleinen Ytong mit zusätzlicher Scheibe. Die Kammern wurden mit Gips ausgegossen. Bilder und genauere Beschreibung folgen in einem anderen Beitrag. Funktioniert soweit sehr gut, das Fotografieren durch zwei Scheiben macht aber keinen Spaß.

Ich habe die Gyne in einem Reagenzglas gründen lassen. Bis Ende September 2015 waren 16 Pygmäen vorhanden. Die Winterruhe wurde ohne Verluste überstanden, ausgewintert wurden Sie Anfang März. Da das RG ziemlich verdreckt war und der Müll darin zu schimmeln begann habe ich Sie in den beschrieben Ytong umziehen lassen. Im Moment zähle ich an die 80 Arbeiterinnen und ein paar Puppen. Es scheint als hätte die Kolonie mit der Saison 2016 bereits abgeschlossen, obwohl Sie es vor allem im März und April alles andere als warm hatten. Es ist mir aufgefallen, dass mindestens 2 Puppen geöffnet wurden obwohl die Metamorphose noch nicht beendet war. Die Beine und der Kopf waren schon in Ansätzen zu erkennen, der Rest wirkte noch sehr rund und kompakt wie bei einer Larve. Diese „Nacktpuppen“ wurden ein paar Tage lang wie normale Puppen behandelt, danach vermutlich recycelt.

Die Außenaktivität ist am Tag gering und steigt auch nur an wenn Nahrung angeboten wird. Die Arbeiterinnen können allerdings problemlos über das Paraffin laufen. Ich habe schon versucht den Streifen dicker zu machen und ihn immer wieder fein zu verteilen. Trotzdem muss ich den Deckel immer auf dem Becken lassen.
Gespannt bin ich ob sich meine Kolonie so rasant entwickelt wie die des Users Alimato. Seine Kolonie hatte im zweiten Jahr 70 Arbeiterinnen, im dritten 700. Die 70 hat meine Kolonie ja schonmal geschafft.

Einen Diskussionsthread werde ich nicht aufmachen, hier zu posten ist also ausdrücklich erwünscht :) .
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1. Bild von heute, unter Sonnenlicht
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4. Bild vom Mai
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Re: Formica cf. rufibarbis - Haltungserfahrungen

Beitragvon FooFighter » Montag 12. September 2016, 10:00

Die Kolonie befindet sich schon seit ca. zwei Wochen im Winterruhe-Modus. Die Aktivität ist in den letzten Wochen auf null gesunken und der Nesteingang wurde gründlich verschlossen. Wenn die momentane Wärmephase vorbei ist, werden sie in den Keller ausgelagert und wandern Anfang Oktober in die Styroporbox. Die Kolonie zählt momentan 85-90 Arbeiterinnen.
Das Formicarium ist diese Saison noch sehr schlicht eingerichtet, ich habe lediglich ein Büschel getrocknetes Gras und etwas Sand als Baumaterial angeboten. Das Nest ist intern und wird durch einen kleinen Holzkeil an die Scheibe des Beckens gepresst. Davor ist zur Abdunkelung ein Stück Pappe angebracht. Für die nächste Saison muss ein neuer Nestblock her. Das momentane Nest würde sicherlich noch für die 3-4fache Anzahl an Arbeiterinnen reichen, ich erwarte aber einen deutlich größeren Zuwachs. Ein weiteres 40x30x20 Becken steht schon voll ausgebaut für die nächste Saison bereit. Bilder davon gib es im nächsten Beitrag.

An Kohlenhydraten habe ich fast ausschließlich Imkerhonig verfüttert, diesen mal pur oder mit Wasser verdünnt. Zuckerwasser wird aber genauso angenommen. „Serviert“ wird der auf kleinen Streifen Alufolie, noch benötigt die Kolonie ja nur sehr kleine Mengen an Honig. An Insekten verfüttere ich fast ausschließlich überbrühte Goldfliegen aus dem Garten. Hier füttere ich immer dann wenn die eingetragene Beute fast oder komplett aufgebraucht wurde. Das waren in im Juni 1-2 Fliegen am Tag, im letzten Monat 1-2 Fliegen in der Woche und die letzten wurden gar nicht mehr angenommen. Ausnahmsweise gab es auch eine große Wespe und ein paar kleine Spinnen. Wasser steht immer in Form einer Tränke zur Verfügung. Bewässert wird der Nestblock sehr sparsam und unregelmäßig, wenn ich mehr Ameisen an der Tränke sehe wird der Nestblock mit ein paar Millilitern bewässert. Auch aufgrund dieser Tatsache empfinde ich die meisten (Servi)-Formica-Arten als sehr pflegeleicht.

Mit der Entwicklung der Kolonie bin ich sehr zufrieden. Das Ausbruchsproblem hat sich durch ein feineres Auftragen vom Paraffinöl und durch ein größere Angebot an Insekten erledigt. Im Gegenteil - durch den Einbruch einer Zitterspinne gab es leider zwei Tote Arbeiterinnen.
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Re: Formica cf. rufibarbis - Haltungserfahrungen

Beitragvon blackbird1 » Samstag 24. September 2016, 08:13

Freut mich das du auch diese munter hektische Art hast :)

Ein Wort zum Ausbruchsschutz.

Bis jetzt konnte bei mir noch keine Erstarbeiterinn über die 4 - 5 cm dicke Paraffin Schicht klettern. Ich hab da aber 10 mal mit dem Taschentuch drüber gewischt so das man fast gar nichts mehr davon sieht.
Oder kann es sein das die richtigen Arbeiterinnen dann bessere Beinchen haben ?..

Habe leider deinen letzten Absatz nicht gelesen bevor ich das schrieb aber egal :)
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blackbird1
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Re: Formica cf. rufibarbis - Haltungserfahrungen

Beitragvon FooFighter » Samstag 24. September 2016, 09:27

Hallo blackbird,
ich vermute eher, dass die größeren Arbeiterinnen schwerer sind und daher schneller abrutschen. Alle momentanen Arbeiterinnen sind sind tatsächlich nicht viel größer als die ersten Pygmäen, für Fomica rufibarbis also noch relativ klein. Mit deinem HB gibt es ja momentan drei aktive Haltungsberichte zu dieser Art, was natürlich längerfristig sehr interessante Vergleiche zulässt.

Liebe Grüße

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Re: Formica cf. rufibarbis - Haltungserfahrungen

Beitragvon Maddio » Samstag 24. September 2016, 10:06

Ich gebe als Halter von Serviformica cf. fusca mal meinen Senf dazu, die Arten sind sehr nah verwandt, vielleicht wird es bei euren "Rotbärten" ähnlich sein auf Dauer.

Grundsätzlich weichen die Arbeiterinnen beim Fouragieren zurück, sobald sie auf den Paraffinölstreifen stoßen. Wenn sie jedoch aufgebracht sind, können grade die größeren Arbeiterinnen sich in einer schnellen Bewegung über den Streifen bewegen. Dabei werden sie ölverschmiert, was sie in dem Moment der Aufregung nicht zu stören scheint, aber wohl nicht optimal ist und es werden die Tracheen verklebt.

In meinem zweiten Becken mit rotem Sand (=Wüstensand), haben sie Sandpartikel an den Ölstreifen getragen, und diesen zumindest in den Ecken vom Becken passierbar gemacht. Ich werde demnächst keinen Sand mehr bei Serviformica verwenden.

Fazit: Ein Deckel ist für mich Pflicht als sicherer Ausbruchschutz, und der Ölstreifen dient mehr dem Komfort beim Füttern bzw. Säubern des Beckens.
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Re: Formica cf. rufibarbis - Haltungserfahrungen

Beitragvon Colophonius » Samstag 24. September 2016, 10:17

Wenn man ein eher trockenes Becken hat, könnte man noch darüber nachdenken statt Paraffin einfach Talkum zu nehmen. Ansonsten stimme ich Maddio zu: Ein Deckel ist immernoch die beste und sicherste Form des Ausbruchsschutzes.
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Re: Formica cf. rufibarbis - Haltungserfahrungen

Beitragvon Trailandstreet » Dienstag 27. September 2016, 12:38

Meiner Erfahrung nach bin ich eher der Meinung, dass der Ausbruchschutz bei "schwereren Ameisen" besser funktioniert als bei leichteren.
Ich hab zB zwei identische Becken für die Formica cunicularia und die Lasius niger. Während sich die Formica abmühen müssen, um drüber zu kommen, schaffen es die Lasius beinahe locker, wenn er mal etwas länger nicht nachgetragen wurde.
Da ich die Becken immer miteinander mache, hab ich hier einen guten Vergleich.
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Re: Formica cf. rufibarbis - Haltungserfahrungen

Beitragvon FooFighter » Sonntag 16. April 2017, 22:22

Die Kolonie hat die Winterruhe ohne Verluste überstanden und wird seit dem 11. März wieder in einem 15-17 °C warmen Raum gehalten. Nach knapp sechs Monaten Winterruhe (von Anfang Oktober bis Anfang März) habe ich in den letzten Wochen der Winterruhe eine merkliche Steigerung der Aktivität beobachtet. Trotz Temperaturen um die 8-10 °C, waren die Ameisen schon relativ munter. Nachdem die Serviformica im Garten aktiv wurden, habe ich auch meine Ameisen in der Haltung ausgewintert. Die tiefsten Temperaturen in der Winterbox waren – 5°C. Die Wasserflaschen (Temperaturpuffer) waren aber nie gefroren.

Die Außenaktivität ist im Vergleich zu letztem Jahr höher. Brut ist auch reichlich vorhanden, etwa 20 Puppen und 30-40 Larven in allen Größen. Es ist auch ein großes Eipaket vorhanden, so dass stand jetzt die Kolonie eine 100-200% Zuwachsquote auf jeden Fall schaffen sollte. Gespannt bin ich auf die Größe der neu schlüpfenden Arbeiterinnen und wie sich die Kolonie weiterentwickelt.
Zur Erinnerung: Es gibt mehrere Haltungsberichte die im dritten Jahr für diese Art einen 700%-1000% Zuwachs verzeichneten

Die, über die Winterruhe geschimmelten Abfälle wurden aus dem Nest entfernt. Leider wurde aber auch die Scheibe von innen verschmutzt. Eine 100% Einsicht in das Nest habe ich damit leider nicht mehr. Im Vergleich zum letzten Jahr schließe ich an warmen Tagen eine 5W- Wärmefolie an, die natürlich sehr gut angenommen wird. Alles in allem wird die kleine Kolonie auch "selbstbewusster". Die Arbeiterinnen laufen bei Störungen nicht mehr panisch umher, sondern drohen in ihrer tyischen Abwehrhaltung. Einen klare Veränderung zum Vorjahr.

liebe Grüße

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Re: Formica cf. rufibarbis - Haltungserfahrungen

Beitragvon FooFighter » Dienstag 2. Mai 2017, 09:09

Immer wieder liest man im "Anforderungskatalog" an Ameisenarten, dass es eine "aggressive" Art sein soll. Was man unter der Beschreibung "aggressiv" verstehen soll wird aber nirgendwo richtig beschrieben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass z.B. Fomica cunicularia, auch bei großer Volksstärke mich bei Fütterungen (am Nest!) nicht als "Feind" wahrnimmt. Es passiert höchst selten, dass Arbeiterinnen sich in Finger oder Hand verbeißen, sie laufen meist nur aufgeregt darüber. Wer das Experiment bei einer Formica s. str. macht, wird feststellen, dass die Arbeiterinnen sich sofort in die Haut verbeißen und Säure verschmieren/versprühen.

Im letzten Jahr habe ich eine Auseinandersetzung zwischen Lasius cf. niger und ebengenannten "harmlosen" Serviformica beobachtet, welche durch Gartenarbeiten (Nest der Lasius wurde zerstört) hervorgerufen wurden. Das Ergebnis war, dass die Formica einen regelrechten Kriegszug zum etwa 2 Meter entfernten Schauplatz bildeten, Lasius-Arbeiterinnen töteten und die Brut raubten. Im Frühjahr tragen Formica ihren Müll nachdraußen und verwenden den als Baumaterial. So passierte es, dass die Fütterungsstelle (Deckel eines Glases) mit zwei Teelöffeln getrockneten und zerkleinerten schwarzen Lasius-Arbeiterinnen gefüllte wurde. Nachweislich haben sie im letzten Jahr mehrere hundert Lasius-Arbeiterinnen getötet. "Aggressive" oder "nicht aggressive" Art, dass ist hier die Frage ;) ?

Aus diesem Vergleich habe ich getestet, wie die Arbeiterinnen meiner kleinen Kolonie reagieren. Formica rufibarbis wird ja tendenziell ein angriffslustigeres Verhalten nachgesagt, daher habe ich mal ausprobiert, ob und in welchem Maße ich angegriffen werde. Ich kommen zu dem Punkt, dass sich das Verhalten in diesem Jahr deutlich verändert hat. Die Arbeiterinnen verbeißen sich direkt in die Haut, soweit sie es denn schaffen. Säure wird dabei aber nicht eingesetzt. Der Angriff erfolgt aber direkt und ziemlich vehement, es werden auch weitere Veteidiger rekrutiert. Dabei habe ich Erschütterungen oder Berührung des Nests unterlassen und lediglich einen Finger in erreichbare Nähe der Ameisen gehalten. Letztes Jahr war dieses Verhalten noch nicht zu erkennen, da suchten die Ameisen lieber das Heil in der Flucht.

Zum Abschluss noch ein paar Bilder. Liebe Grüße,

FooFighter
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Re: Formica cf. rufibarbis - Haltungserfahrungen

Beitragvon FooFighter » Freitag 30. Juni 2017, 22:21

Nach zwei weiteren Monaten gibt es heute einen kurzen Zwischenstand. Bis Mitte Mai waren immer neue Eier vorhanden, danach konnte ich nur noch Larven und Puppen beobachten. Jetzt, zum Ende des Junis habe ich mir eigebildet schon einen Rückgang der Aktivität festgestellt zu haben. Erfreulicherweise gibt es seit ein paar Tagen neue, relativ große Eierpakete. Momentaner Stand der Kolonie sind 200 Arbeiterinnen. An Brut gibt es 80-100 Puppen und etwa 20-30 Larven sowie eine nicht abzuschätzende Anzahl an Eiern. Ob bis Ende der Saison die Anzahl von 700 Arbeiterinnen erreicht werden kann halte ich für fraglich, eine Anzahl von 400-500 halte ich für realistischer.

Auffällig ist, dass selbst die zuletzt geschlüpften Arbeiterinnen nur wenig größer sind als die Pygmäen (5-6mm). An die Körpergröße von freilebenden Tieren dieser Art kommen sie bei weitem nicht heran. Eine große, bisher nicht genutzte und mit Müll vollgestopfte Kammer des Nestblocks wurde im Juni komplett ausgeräumt. An Nahrung gab es in den letzten Wochen 6-8 Goldfliegen pro Woche und insgesamt etwa 15ml Zuckerwasser (mit einer Spritze abgemessen). Außer der Reihe gab es drei Wespen und einen asiatischen Marienkäfer, der zu meiner großen Verwunderung verwertet wurde. Der "Hunger" der Kolonie ist beachtlich, die Fliegen und auch die Wespen waren innerhalb von zwei, drei Tagen komplett verwertet. Ich denke, dass werden noch ein, zwei spannende Monate ;-)

Liebe Grüße

FooFighter
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