Sammeln von wild lebenden Ameisen in DE (jetzt) verboten?

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Re: Sammeln von wild lebenden Ameisen in DE (jetzt) verboten

Beitragvon Merkur » Freitag 1. Juni 2018, 20:38

Hier gab es ein Gewitter (in Südhessen), bei mir leider mit zu wenig Regen, aber mit willkommener Abkühlung. Vielleicht könnten wir auch im AP etwas „abkühlen“? ;)

@ Emse: Ich würde es mir sehr wünschen, dass Du dem AP treu bleibst! Bisher hast Du viele sehr interessante Beiträge geliefert. Mehr davon kann nur dem Forum und den Lesern nützen!

Zum Thema: Ich habe wiederholt betont, dass wir hier (im AP ebenso wie in anderen Foren) keine Gesetze machen oder abändern können. Der Thread geht um die Tatsache, dass es das BNatSchG gibt, und dass es zunächst zu befolgen „wäre“, nach dem momentanen Stand der Kenntnisse (u. a. "Kommentare" in dem von Nico Grau angesprochenen Buch).

Damit rede ich nicht einer sklavischen Befolgung dieses Gesetzes das Wort. Auch ich halte das allgemeine Sammel- und Haltungsverbot für unbrauchbar, so wie es jetzt steht (Ich war nicht daran beteiligt!). Und ich bin absolut überzeugt davon, dass „ziviler Ungehorsam“ seine Berechtigung hat. ABER nicht überall, und nicht bei Angelegenheiten, die in einer funktionierenden Demokratie auch anders geregelt werden können! (Wenn sich jede/r über ihm/ihr nicht passende Gesetze einfach hinwegsetzt, nennt man das Anarchie). Für gänzlich verfehlt halte ich es, wenn Vertreter unterschiedlicher Meinungen zu diesem Thema einander persönlich angreifen.

Vermutlich ist es nicht möglich, dass sich Händler und evtl. engagierte Halter zu einer Interessengemeinschaft zusammentun (etwa im Sinne der Berufsverbände) um gemeinsam eine passende Änderung des BNatSchG zu erwirken. Es gibt allzu unterschiedliche Interessen.

Aus meiner Sicht bleibt daher nur, zunächst abzuwarten, ob die Aktion von Nico Grau bei den Naturschutzbehörden „etwas in Bewegung setzt“, und was das sein wird. Dann, und nur dann, können wir versuchen, den Fuß in die Tür zu setzen. Vielleicht geht alles weiter wie gehabt, man schläft weiter, und wir haben uns ganz umsonst zerstritten?

An Erne:
viewtopic.php?f=31&t=1786&p=15931#p15918
Ihr Einwand, dass bei Durchsetzung des existierenden Verbots eben Ameisen aus dem Ausland eingeführt würden, liest sich fast wie eine erpresserische Drohung: „Wenn mir die Gesellschaft, vertreten durch den Gesetzgeber, mein Hobby verbieten will, mache ich einfach etwas noch Schlimmeres!“
Interessante Interpretierung des Geschschriebenen eines Menschens, der viel für die Natur übrig hat und sich daraus resultierend weitereichende Gedanken macht.
Sorry, es war und ist nicht meine Absicht hier anzuecken.
Weitere Beiträge wird es von mir nicht geben.
Grüße Wolfgang

Bitte im Originalbeitrag von mir (Merkur) nachlesen: viewtopic.php?f=31&t=1786&p=15931#p15910
Ich habe Sie, Erne, nicht bezichtigt, das so gesagt zu haben. Habe nur darauf verwiesen, dass praktisch seit Beginn der Ameisenforen diese „Drohung“ immer wieder gebraucht wird um zu untermauern, dass Halter und Händler von einem Verbot nichts halten und ein Unterlaufen eines solchen Verbots ankündigen.

Wir hatten einen dünnen Kommunikationsfaden gesponnen, um etwas Austausch zwischen AP und AF in Gang zu bringen. Es wäre bedauerlich, wenn das schon wieder beendet würde. Den Schaden hätten auf jeden Fall die User des AP, denn ich versuch(t)e vor allem, das Wissen zu ergänzen, wo es im AP augenscheinlich nicht vorhanden ist. Ich mache das nicht mehr selbst im AF, aus Gründen, die Sie nur zu gut kennen. Es sind die gleichen, die mich zur Aufgabe meiner Tätigkeit für das AmeisenWiki gebracht haben.
Warum engagier(t)e ich mich überhaupt in Ameisenforen? - Um Wissen über Ameisen und das Darumherum zu vermitteln. Das ist nicht immer bequem für die User, wenn es ihren liebgewordenen Vorstellungen zuwider läuft. Aber ich mag selbst nicht mit falschen Informationen gefüttert werden (bis hin zum versuchten Betrug), und ich denke, dass es auch andere Menschen so geht. Doch manche reagieren wie kleine Kinder, denen man endlich sagt, dass es das Christkind nicht gibt.
Die vorgegaukelte schöne Welt der Ameisenhaltung ist ja auch allzu zu verlockend (wer Schiffbruch erleidet, meldet sich nur selten zu Wort). Auch das Verharmlosen von Schadameisen wird nur zu gerne für Wahrheit gehalten. Ich kann nur empfehlen, in das Forum der DASW zu sehen. Da kann jeder lernen, wie wir uns bemühen, den Betroffenen zu helfen. Und das ist noch wenig, gegenüber den vielen Anfragen, die uns direkt, per email oder auf anderen Wegen erreichen.
Aber nein, ich mache das alles ja nur um… ?

Eines aber noch, Erne, warum verschweigen Sie eigentlich die hier laufende Diskussion gegenüber dem AF? Verdienen dessen User nicht, über laufende Entwicklungen informiert zu werden, von denen sie möglicherweise selbst betroffen werden?

In diesem Sinne mfG,
Merkur
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Re: Sammeln von wild lebenden Ameisen in DE (jetzt) verboten

Beitragvon Emse » Samstag 2. Juni 2018, 12:58

Hallo Merkur, Danke der "Nachfrage", alles okay bei mir! :)

Merkur hat geschrieben:Zum Thema: Ich habe wiederholt betont, dass wir hier (im AP ebenso wie in anderen Foren) keine Gesetze machen oder abändern können. Der Thread geht um die Tatsache, dass es das BNatSchG gibt, und dass es zunächst zu befolgen „wäre“, nach dem momentanen Stand der Kenntnisse (u. a. "Kommentare" in dem von Nico Grau angesprochenen Buch). [..] Aus meiner Sicht bleibt daher nur, zunächst abzuwarten, ob die Aktion von Nico Grau bei den Naturschutzbehörden „etwas in Bewegung setzt“, und was das sein wird.

Dem schließe ich mich so an!

Merkur hat geschrieben:Eines aber noch, Erne, warum verschweigen Sie eigentlich die hier laufende Diskussion gegenüber dem AF? Verdienen dessen User nicht, über laufende Entwicklungen informiert zu werden, von denen sie möglicherweise selbst betroffen werden?

Ich bin sicher, dass hier mittlerweile eine Menge Leute aus verschiedenen Foren mitlesen. Da es (momentan) aber nur eine einzige "echte" Informationsquelle zum Thema gibt (nicos-ameisen.de), bin ich eigentlich sogar ganz froh, mich nicht noch zusätzlich durch dutzende (Meinungs-)Kommentare in diversen Foren wühlen zu müssen, um "auf dem Laufenden" zu bleiben! /edit

Wünsche allen ein schönes Wochenende!

edit: Im Übrigen könnte es zukünftig ja so sein, dass einem (schon begattete, aber noch alate) Ameisengynen (im Haus, in der Wohnung) direkt (auf die Hand) zu-geflogen kommen... (kleiner Scherz! ;) )
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Re: Sammeln von wild lebenden Ameisen in DE (jetzt) verboten

Beitragvon Emse » Samstag 2. Juni 2018, 19:02

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Kurze Info: Auf Nicos Seite gab es ein weiteres Update. Zwar ohne neue behördliche Stellungnahme(n), trotzdem aber sehr informativ!
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Re: Sammeln von wild lebenden Ameisen in DE (jetzt) verboten

Beitragvon Teleutotje » Samstag 2. Juni 2018, 23:01

For me only tree rules must exsist:
- Protection of the native ants.
- No for non-native ants.
- To study ants: It must be possible in official Laboratories with good papers and with good protection.
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Zuletzt geändert von Teleutotje am Sonntag 3. Juni 2018, 13:13, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Sammeln von wild lebenden Ameisen in DE (jetzt) verboten

Beitragvon FooFighter » Sonntag 3. Juni 2018, 13:12

Hallo an alle,

ein sehr interessanter Diskussionsfaden. Die Frage ob das Sammeln von Gynen gegen das Gesetz verstößt habe ich mir ehrlicheweise auch schonmal selbst gestellt. Der Vollständigkeit halber zitiere ich mal den gesamten §39 Abs 1 Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen:

1) Es ist verboten,

1. wild lebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten,
2. wild lebende Pflanzen ohne vernünftigen Grund von ihrem Standort zu entnehmen oder zu nutzen oder ihre Bestände niederzuschlagen oder auf sonstige Weise zu verwüsten,
3. Lebensstätten wild lebender Tiere und Pflanzen ohne vernünftigen Grund zu beeinträchtigen oder zu zerstören.


Strikt davon zu trennen ist: Zum Allgemeinen Schutz kommt auch noch der besondere Schutz (§44 BNatSchG) und der strenge Schutz (definiert durch Rechtsverordnung §54 BNatSchG oder EG Verordnungen). Hieraus resultiert u.a. das erweiterte Handelsverbot für Fomica s.str. .

Es würde mich sehr überraschen wenn auch nur eine einzige Behörde ein Hobby als vernünftigen Grund ansehen würde (interessant is es aber allemals). Die Existenz des "Allgemeinen Schutzes" ist auch nicht neu und darin sind alle Tiere und Pflanzen mit eingenommen, auch Ameisen. Schon hier ist die Gesetzeslage ziemlich klar, da "Sammeln und Halten" unbedingt ein "Fangen" voraussetzt. Das gewerbsmäßige Entnehmen von Pflanzen ist sehr klar geregelt, das von Tieren leider nicht explizit. Aber auch gewerbsmäßiges Sammeln bedeutet "Fangen" und ist damit genau so verboten. Die Anwendung des Gesetzes bei der Ameisenhaltung ist eben ein Auswuchs aus einer sehr weit gefassten Regelung.

Der Knackpunkt ist für mich die Kontrolle des Gesetzes. Schon deutlich leichter zu kontrollierende Punkte wie Betretungsverbote für verschiedenste Flächen, Anleinungspflicht für Hund, Baumschnittverbote, etc. werden einfach nicht kontrolliert. Wenn nicht irgendjemand klagt herscht beim BNatSchG der Grundsatz "Wo kein Richter da kein Henker". Verbot ist Verbot, ob sinnvoll oder nicht. Da Verstöße gegen das BNatSchG sehr oft mit heftigen Geldstrafen einhergehen reicht oft ein Hinweis und die Erklärung der Konsequenzen an die (meist) unbedarften Persone um selbst dafür zu sorgen, dass im Sinne des Gesetzes gehandelt wird.

Die Händlerdiskussion verstehe ich nicht. Ob hunderte Privatleute losziehen um jeweils geringste Mengen an Gynen zu sammeln oder fünf Händler hunderte Gynen sammeln macht für mich überhaupt keinen Unterschied. Das Verhalten ist für die Erhaltung der hier lebenden Ameisen Arten wohl in keinster Weise so schädlich, dass dadurch die Vielfalt der Arten auch nur ansatzweise gefährdet wird. Die Nachfrage ist mMn einfach viel zu klein. Das der Händler das ganze nutzt um Profit daraus zu schlagen mag ethisch bedenklich sein macht aber keinen Unterschied. Zum Kauf und Halten exotischer Arten verweise ich auf den "Nachbarparagraphen" zum §39.

Grüße

FooFighter
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Re: Sammeln von wild lebenden Ameisen in DE (jetzt) verboten

Beitragvon Serafine » Montag 4. Juni 2018, 11:55

Merkur hat geschrieben:Zu der weiteren Bestätigung aus einer Naturschutzbehörde viewtopic.php?f=31&t=1786&view=unread#p15914 :

Ameisenhaltung, Handel, Fang einheimischer Gynen in Massen etc. geschieht ja in aller Öffentlichkeit: Fernsehen, Zeitungs- und Zeitschriftenbeiträge, Foren, Anmeldung des Ameisenhändler-Gewerbes usw.
Wie kommt es, dass dennoch bisher keine der mit dem Naturschutz beauftragten Behörden den Versuch gemacht hat, das geltende Recht durchzusetzen??

MfG,
Merkur

Vielleicht weil die einfach dickere Braten in der Röhre und besseres zu tun haben als sich um einen größenmäßig doch sehr sehr begrenzten Markt von hyperspezialisierten Insektenhändlern zu kümmern? In Zeiten des Schwarze-Null-Dogmas, in denen der Staat ohnehin immer rudimentärer funktioniert, kann ich es nur begrüßen wenn sich die Behörden nicht mit Kleinmist aufhalten und sich lieber auf die großen Probleme konzentieren (zumindest solange bis eine Umweltkriminalitätsbehörde gegen den eigenen Betrieb ermittelt, dann löst man die halt kurzerhand mal auf, Naturschutz interessiert ja eh keinen...).
Vielleicht versuchen sie ja etwas gegen das große Insektensterben zu tun, dem dank Agrarwirtschaft, massenhaften Versprühen von Insektengiften und Zerstückelung von Lebensräumen usw. in den letzten dreißig Jahre flächendeckend bis zu ACHZIG PROZENT der hießigen Fluginsektenbestände zum Opfer gefallen sind (erinnert sich noch jemand wie vor 20 Jahren die Windschutzscheibe eines Autos nach 5 Stunden Auotbahnfahrt aussah? Heute kann man tagelang quer durch Deutschland fahren ohne die jemals saubermachen zu müssen, da sollte man sich mal Gedanken drüber machen).
Und vielleicht weil auch denen klar ist, dass eine konsequente Durchsetzung des Gesetzes alles nur viel schlimmer machen würde (Stichwort importierte Ameisen oder "WARUM DARF ICH EIGENTLICH KEINE Lasius niger MEHR FANGEN ABER NOCH IMMER SOLENOPSIS INVICTA UND PHEIDOLE MEGACEPHALA LEGAL IM HANDEL KAUFEN?" Ich frage mich was man als pflegeleichten Ersatz für Lasius niger importieren könnte - Brachymyrmex patagonicus? Besser nicht drüber nachdenken).

LynnLectis hat geschrieben:
Emse hat geschrieben:Wenn zutreffend, was könnte das für die Shops bedeuten?

Bitte um Erklärungen, bzw. Meinungen dazu....


Wenn die Ameisenshops jetzt schon juristisch gegeneinander vorgehen, obwohl sie sich allesamt selbst auf sehr dünnem Eis bewegen - ungeachtet der Redewendung "wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen" - würde ich sagen, dass wir erstmal einfach abwarten könnten, bis sie sich vielleicht ganz von selbst erledigen. :D

Ich finde es ja interessant, dass sich in der Hinsicht gerade der Shop als sehr klagefreudig erweist, der in Foren ungefähr im Wochentakt im Zusammenhang mit dysfunktionalen Gründerkolonien von C. ligniperda auffällt.
Allerdings sollte selbst der vernünftig genug sein um zu verstehen, dass er sich sein eigenes Grab schaufelt, wenn er im Zusammenhang mit derm Naturschutzgesetz gegen Mitmarktteilnehmer aktiv wird. Das ist so ein bisschen wie im kalten Krieg - der erste der diese "nukleare Option" zieht kann damit leicht eine Kettenreaktion auslösen, die den kompletten deutschen Ameisenhandel massiv beschädigt - ich halte es daher für unwahrscheinlich, dass eine solche Klage aus dem Gewerbe selbst kommt. Wenn, dann kommt sie wahrscheinlich eher von Peta oder einer ähnlichen Extremistengruppe (der Typ Leute der Nerze aus dem Labor freilässt und sie im Wald aussetzt, damit sie die heimische Vogelpopulation dezimieren können), die sind immer auf der Suche nach leichten Zielen mit denen sie sich selbst profilieren können.

FooFighter hat geschrieben:Ob hunderte Privatleute losziehen um jeweils geringste Mengen an Gynen zu sammeln oder fünf Händler hunderte Gynen sammeln macht für mich überhaupt keinen Unterschied. Das Verhalten ist für die Erhaltung der hier lebenden Ameisen Arten wohl in keinster Weise so schädlich, dass dadurch die Vielfalt der Arten auch nur ansatzweise gefährdet wird. Die Nachfrage ist mMn einfach viel zu klein. Das der Händler das ganze nutzt um Profit daraus zu schlagen mag ethisch bedenklich sein macht aber keinen Unterschied.

Doch das macht einen Unterschied und zwar in der Verteilung. Das ist ungefähr derselbe Unterschied wie wenn 500 Jäger über ein Bundesland verteilt 1000 Rehe abschießen oder ein Jäger in einem Waldstück 1000 Rehe abschießt.
Wenn Händler oder ihre Zulieferer Ameisen einsammeln, dann werden sie dafür nicht durchs ganze Land gondeln, sondern an einem Ort möglichst viele Gynen einsammeln. Und das kann dann durchaus einen Einfluss auf die lokale Population haben (vielleicht nicht gerade bei Lasius niger, aber bei selteren Arten möglich).

p.s. Was ist eigentlich in dem Fall wenn eine begattete Ameisenkönigin in mein Zimmer fliegt? Da kann man ja wohl kaum von "Entnahme aus der Natur" sprechen. Sonst wäre ja auch der Fall "Schinken liegt 10 Minuten draußen, irgendeine blöde Fliege legt Eier drauf, 1 Woche später sind schöne dicke Maden im Kühlschrank" eine illegale Entnahme aus der Natur und obendrauf illegale Haltung und Zucht.
Irgendwie wirkt mir das ganze Gesetz ziemlich undurchdacht und sehr an der alltäglichen Realität vorbei (nicht wirklich verwunderlich, ist ja immerhin ein deutsches Gesetz).
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Re: Sammeln von wild lebenden Ameisen in DE (jetzt) verboten

Beitragvon Merkur » Montag 4. Juni 2018, 12:05

Diesen Thread kann man als eine Sammlung von Ideen und Beispielen für „Verstöße“ gegen das BNatSchG betrachten. Im Falle einer evtl. vorgesehenen Novellierung dieses Gesetzes lassen sich diese Beispiele vielleicht einbringen, auf Klärung hinwirken, etwa über Naturschutzverbände und deren Mitglieder.

Das Gesetz betrifft ja nicht nur Ameisen
, sondern alle einheimischen Tiere (und Pflanzen). Für die Versorgung von Ameisen und anderen räuberischen Tiergruppen, Gottesanbeterinnen, Laufkäfer, Spinnentiere, Amphibien, Reptilien… wird gerne auf Beute aus der Natur zugegriffen, z. B. sog. „Wiesenplankton“, das durchaus sogar besonders geschützte Arten umfassen kann, oder Raupen (ohne Kenntnis der zugehörigen Schmetterlinge). Vieles davon ist durch Wehrsekrete geschützt (z. B. Wanzen!), wird von den gehaltenen Tieren abgelehnt und stirbt somit umsonst. Alternativen sind gezüchtete Futtertiere.
Ich erinnere mich mit Schaudern an die „Futtereidechsen“ für Schlangen und Warane etc.: Die ausgehungerten, bedauernswerten Tiere waren Freilandfänge (aus dem Ausland). Mancher Terrarianer hat die billigen Tierchen gekauft, aufgepäppelt und dann noch lange in seinen Terrarien gehalten. Alternativen sind zum Teil kaum zu bekommen. Wer Bedenken hat, hält besser keine solchen Tiere.
Eine andere Gruppe von „Betroffenen“ sind „Liebhaber“, die sich privat Sammlungen von Käfern, Schmetterlingen (und Pflanzen) anlegen. Hier gibt es ein Übergangsfeld, wo es nicht nur um ein Hobby geht, wo ernsthafte Sammler ihre Fänge auch dokumentieren, publizieren und ggf. an Museen übergeben. Wer so etwas vorhat, wird evtl. eine Ausnahmegenehmigung erhalten können.
Als erfreuliche Alternative bietet sich heute eine Bilder- und Videosammlung an, wovon zunehmend reger Gebrauch gemacht wird. Natürlich können Fotos nicht ganz die Belegexemplare ersetzen: Sie lassen sich nicht im Detail ausmessen, und DNA extrahieren kann man daraus auch nicht!

Jedenfalls sollte man als Halter räuberischer Tiere (hier Ameisen) diese Konsequenzen mitbedenken.

MfG,
Merkur

Edit zum Beitrag von Serafine:

Zitat Serafine: "...kann ich es nur begrüßen wenn sich die Behörden nicht mit Kleinmist aufhalten und sich lieber auf die großen Probleme konzentieren…"

Für mich ist die Schädigung unserer restlichen Natur kein „Kleinmist“. Umso mehr ist jeder Einzelne verpflichtet, seinen Verstand zu gebrauchen, sein Möglichstes für den Naturschutz zu tun und nicht tausend Gründe zu erfinden, weshalb sein Hobby wichtiger ist als die Umwelt.

„Danke“ für Ihre Zusammenfassung vieler seit Jahren diskutierten „Argumente“, vgl. das "windshield phenomenon", seit Sept. 2015 hier. Besser wäre es, sich enger ans Thema zu halten: Das bestehende Gesetz, und wie es ggf. verbessert werden kann.
Wir HABEN dieses Gesetz (im Gegensatz zu vielen anderen Staaten); wir KÖNNEN helfen, es zu verbessern. Wir können auch weiterwursteln und für unsere Privatvergnügen noch die letzten Reste von Natur verbrauchen. :(

Haben SIE schon etwas bei den „großen Problemen“ der Welt bewirkt? - Ich zahle Steuern, damit die "besten" Politiker etwas für ihre reichliche Bezahlung tun.
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Zuletzt geändert von Merkur am Montag 4. Juni 2018, 17:09, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Sammeln von wild lebenden Ameisen in DE (jetzt) verboten

Beitragvon Emse » Montag 4. Juni 2018, 13:00

Gesetzesgrundlage:
Es ist verboten,
1. wild lebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten,
2. [..],
3. Lebensstätten wild lebender Tiere und Pflanzen ohne vernünftigen Grund zu beeinträchtigen oder zu zerstören.


Hier ein weiterer Aspekt, der gegen das Sammeln von wildlebenden Ameisen sprechen könnte/sollte: (Zitat aus dem Ameisenwiki)

Wenn man etwa Steine umdreht, in der Absicht, Ameisen zu finden, zu sammeln oder zu fotografieren, so stört man die Tiere und zerstört unter Umständen deren Nester = Brut- und Wohnstätten. Gleichzeitig stört oder zerstört man auch die Wohnstätten zahlloser anderer Kleintiere. In Myrmica-Nestern gibt es zudem Raupen sehr selten gewordener und "besonders geschützter" Bläulingsarten.

Es ist unter Freiland-Myrmekologen längst bekannt, dass viele Ameisenarten, darunter besonders seltene und gefährdete (!), erst dann unter Steinen siedeln können, wenn diese über mehrere Jahre ungestört an einem Ort liegen. Umdrehen von flachen Steinen, auch wenn man sie sorgfältigst zurück dreht, führt dazu, dass evtl. vorhandene seltene Arten abwandern und möglicherweise zugrunde gehen. Beispiele sind Stenamma spp. und Myrmecina graminicola sowie einige Temnothorax-Arten. Opportunistische Arten wie Lasius niger oder Tapinoma spp. nehmen rasch deren Stelle ein. Ahnungslose "Ameisenfreunde" könnten auf diese Weise ein ehemals artenreiches Gebiet in einen Zustand versetzen, wie er an jedem Feldrain anzutreffen ist. Hierzu liegen sogar Veröffentlichungen vor, z. B. von Gößwald (1951).


Wenn dem tatsächlich so ist, dann treten diese Folgen auch außerhalb von Naturschutzgebieten ein.
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Re: Sammeln von wild lebenden Ameisen in DE (jetzt) verboten

Beitragvon HookNick » Montag 4. Juni 2018, 14:31

Hallo allerseits,

ich dachte mir ich melde mich mal an um hier mitschreiben zu können :)

Das erschreckendste an der ganzen Sache finde ich, wie schlecht einige Behörden so eine Anfrage 'abarbeiten'.
In meiner Anfrage zu dem Thema an die diversen Behörden habe ich zum einem auf §39 verwiesen und zum anderen die besonders geschützten Ameisen von der Anfrage ausgenommen. Trotzdem weist mich fast jede Behörde darauf hin dass es besonders geschütze Ameisen gibt, welche ich ja sowieso nicht sammeln darf. Halten die mich für doof oder lesen die meine Anfrage nicht richtig durch? Dann gibt es noch Spezialisten, welche auf §44 (besonders geschütze Arten) verweisen und aus diesem folgern dass das Sammeln aller(!) Arten verboten ist, obwohl es dort nur um besonders geschützte Arten geht. Wollen die es sich einfach machen oder lesen die ihre eigenen Gesetze nicht richtig durch? Ebenfalls habe ich immer darauf hingewiesen dass es sich lediglich um eine Gesetzesfrage handelt. Und was ist? Ich bekome ständig die Antwort: 'Für eine Ausnahmegenehmigung wenden Sie sich bitte an...'. Wieder nicht richtig gelesen was ich will?

Erfreulicher Weise sind einige Behörden bereit zu telefonieren um mein Anliegen besser zu verstehen, es besser ausarbeiten zu können und es mir besser erklären zu können. Jedoch würgen mich die meisten nur mit zum Teil schlecht ausgearbeiteten Emails ab, in denen nur der eh schon von mir erwähnte §39 steht, ohne irgendwelche weiteren Erkenntnisse oder Möglichkeiten.

Liebe Grüße,
Nico
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Sammeln von wild lebenden Ameisen in DE (jetzt) verboten?

Beitragvon Emse » Montag 4. Juni 2018, 20:45

Ein Kommentar der Welt zu den derzeitigen Naturschutzgesetzen (und geplanten Novellierungen), bereits am 06.03.2017 geschrieben:

Käfer anfassen ist verboten

[..] Die Absurditäten sollen offenbar bleiben. So dürfen ohne naturschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung keine Federn von Vögeln auf- oder gar mitgenommen werden. Die Amsel oder Spatzenfeder im Garten bleibt „geschützt“. Wer sich für Schmetterlinge, Käfer und andere Insekten interessiert und diese zur Bestimmung fangen müsste, bewegt sich in einer Grauzone oder verstößt direkt gegen den Artenschutz, auch wenn er die Tierchen unbeschädigt wieder freilässt. Sollen Kinder, die einen Laufkäfer in die Hand nehmen, dafür wirklich weiterhin eine Ausnahmegenehmigung bekommen müssen? Solche und zahlreiche andere Bestimmungen bringen den geschützten Arten gar nichts.

Offenbar ist das den Naturschutzverbänden gleichgültig. Zu sehr sind sie mit sich selbst und mit der Rettung der Welt befasst, als dass sie sich darum kümmern würden. Das Interesse der Kinder und das Engagement der Bürgerwissenschaftler halten sie anscheinend für Kleinkram. Die Menschen sollen der Natur fernbleiben. Draußen stören sie nur. Kinder sollen sich offenbar nicht mehr mit lebendigen Käfern oder Schmetterlingen befassen. Ausgerechnet vom Naturschutz geht die Entfremdung von der Natur aus. Man hat sie uns genehmigungspflichtig gemacht. Das darf so nicht weiter fortgeschrieben werden. [..] / Quelle: https://www.welt.de/print/die_welt/deba ... boten.html


Ich selber schwanke zwischen Zustimmung und Ablehnung der derzeitigen Gesetzeslage, je nachdem, welches "Sammel-Szenario" ich mir dabei gerade vorstelle. (Gelegentliche Einzel-Entnahmen von Hobbyisten, ausschließlich finanziell motivierte Massen-Entnahmen ("plündern") durch den Handel, grundsätzliche ethische Bedenken, etc etc).

Ergo: Mal ergibt das Gesetz für mich einen Sinn, mal aber auch nicht...

Ein Dilemma :(


------------------------

edit: Update auf nicos-ameisen.de. Eine weitere Behörde (Sachsen) hat ihm auf seine Anfrage geantwortet.

Damit steht es jetzt 4:0 (bei insgesamt 17 verschickten, davon 13 noch nicht beantworteten Anfragen).
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Re: Sammeln von wild lebenden Ameisen in DE (jetzt) verboten

Beitragvon Merkur » Mittwoch 20. Juni 2018, 17:56

Bin gerade darauf gestoßen: Es gab im AP in 2010 bereits eine Diskussion zu diesem Thema: https://www.ameisenforum.de/ameisenkolo ... 39709.html "Ameisenkolonie fangen! Immer grausam?"
Es geht über weite Strecken um den "vernünftigen Grund" für das Einsammeln/ Ausgraben von Ameisen.

Da hat sich ein gesetzeskundiger "Cayal" ausgelassen. :roll:

MfG,
Merkur
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Re: Sammeln von wild lebenden Ameisen in DE (jetzt) verboten

Beitragvon Emse » Mittwoch 20. Juni 2018, 20:21

Den Link hätte es jetzt m.E. nicht gebraucht. / edit, @Merkur, zu Deinem Bewertungs-Kommentar: Ja, damit hast Du allerdings Recht! ;)

Aber immerhin ist die behördliche Auslegung des Gesetzes mittlerweile ja klar: Das Sammeln (Fangen, Ausgraben) von Ameisen zur Ausübung eines Hobbys oder zu kommerziellen Zwecken ist in Deutschland verboten.

Ziemlich überflüssig also, weiterhin den "vernünftigen Grund" aus unterschiedlichen Betrachtungswinkeln interpretieren zu wollen. Interessant ist nebenbei der momentane praktische Umgang mit dieser Erkenntnis: In den Foren (incl. Facebook) scheint es plötzlich nur so von zugeflogenen (und vor Fressfeinden/vor dem Ertrinken/etc geretteten) Gynen zu wimmeln. (Um dann gleich nach der Bestimmung natürlich wieder freigelassen zu werden.)

Ernsthaft: Schon irgendwie ein merkwürdiges Gefühl, sich mit dem Einsammeln einer (nicht besonders streng geschützten) Ameisengyne strafbar zu machen.

Meine Hoffnung: Dass Sammler zukünftig weniger häufig dem "Sammelfieber" erliegen und nur noch in bescheidenem Maße sammeln, aus Respekt vor der Natur und ihren "Schätzen". Eine Grundhaltung, die eigentlich nie verkehrt sein kann.

Und: Wem die momentane Situation insgesamt nicht behagt, der kann/sollte eine Petition starten, vielleicht bringt das die Behörden in punkto "Hobbyhaltung" ja zu einer neuen Betrachtung/Auslegung des derzeitigen Gesetzes...
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