Diskussion: Signalkrebs Pacifastacus leniusculus im Odenwald

Diskussion: Signalkrebs Pacifastacus leniusculus im Odenwald

Beitragvon Phillip Alexander » Freitag 20. Juli 2018, 07:00

Hallo Merkur,

wie so ein Quatsch auf gedruckte Infotafeln gelangen kann, ist schon erstaunlich.

Bei dem unbekannten Fisch dürfte es sich um einen jungen Karpfen handeln, also ein vergleichsweise harmloses „Monster“ (wobei in manchen Regionen der USA ausgesetzte Karpfen ebenfalls eine Pest sind).

LG, Phillip
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Phillip Alexander
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Re: Signalkrebs Pacifastacus leniusculus im Odenwald

Beitragvon Serafine » Freitag 20. Juli 2018, 11:21

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Noch Fragen?

(So wie die deutschen Flüsse in den sechziger bis achziger Jahren vergiftet wurden braucht einen die Invasion fremder Arten aber auch nicht zu wundern - die meisten treffen bei ihrer Ankunft auf bereits massiv beschädigte Ökosysteme, die gerade erst begonnen haben sich von der chemischen Säuberung zu erholen, da haben sie natürlich leichtes Spiel. Und auch heute noch sind insbesondere die meisten Standgewässer (Seen, Tümpel) noch immer von extrem überhöhtem Phosphateintrag durch die massive Überdüngung in der Landwirtschaft betroffen.)
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Re: Diskussion: Signalkrebs Pacifastacus leniusculus im Oden

Beitragvon FooFighter » Freitag 20. Juli 2018, 20:12

Hallo Serafine,

leider ist deine Statistik unbrauchbar, da sehr alt. Die Behauptung, dass invasive Arten es einfach haben weil das Ökosystem vorgeschädigt ist, ist gelinde gesagt Unsinn. Beispiel Flusskrebs: Die invasive Art ist immun gegen die Krebspest und hat diese für heimische Krebse tödliche Krankheit praktischerweise mit eingeschleppt (quasi als ABC-Waffe). Selbst gut gereinigte Gummistiefel reichen noch um die Krebspest von einem Gewässer in das andere zu verschleppen und Bestände komplett zu vernichten. Damit wird automatisch der Lebensraum frei für die invasiven Krebse.

Nachzulesen hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Krebspest

Bei uns in der Nähe gab es bis vor sieben Jahren noch einen der letzten drei nachgewiesenen heimischen Flusskrebsbestände im Saarland. Nach der Verlegung eines Wanderweges entlang des Bachs sind diese schnell verschwunden.
Die von Merkur ebenfalls aufgeführte Nilgans verdrängt die heimische Stockente in atemberaubenden Tempo vor meiner Haustür. Nilgänse verhalten sich gegenüber Enten extrem agressiv und verdrängen die Enten von den Futterplätzen. Vor zwei Jahren noch sechs Brutpaare haben wir dieses Jahr einen Schwarm von 70 Nilgänsen. Die vorher vielfach vorhandenen Enten sind verschwunden.

Es ist den Verhamlosern in den Foren nur zu raten nach draußen zu gehen und sich die harte Realität anzuschauen anstatt mit alten Statistiken die Situation zu verharmlosen. Das traurige Schauspiel wenn Nilgänsen junge Enten ertränken geht deutlich lauter und brutaler zu als die heimlich-still-und-leise Verbreitung von invasiven Pflanzen, Insekten oder Fischen und kann im Frühjahr am nächsten Fluss oder Teich beobachtet werden. Könnte zu einer Meinungsänderung führen...

@Merkur: Kanadagänse sind meinen Beobachtungen nach tatsächlich die einzigen Vögel die sich mit Nilgänsen vergesellschaften.
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Re: Diskussion: Signalkrebs Pacifastacus leniusculus im Oden

Beitragvon Merkur » Samstag 21. Juli 2018, 09:38

Die Behauptung, dass man mit ein paar Hundert gebietsfremder Ameisenarten für die Haltung, von denen einige auskommen, nichts verschlimmern könne, angesichts der Vielzahl durch Handel und Verkehr eingeschleppter invasiver Arten (Pflanzen und Tiere), ist so alt wie der kommerzielle Handel mit Ameisen selbst. Dutzende vehement geführte "Diskussionen" sind in den Foren zu finden. :(

Was verschwiegen wird: Es gibt ein paar durch den Welthandel verbreitete invasive Ameisenarten (Pharaoameise vorneweg), es gibt im Ameisenhandel jedoch zahllose Arten, die NIEMALS zufällig mit Handelswaren verschleppt werden. Oder hat schon mal jemand von Blattschneiderameisen gelesen, die in Bananenkisten eingeführt wurden? - Bei einem Transport aus Süd- oder Mittelamerika in die Tropen der Alten Welt könnte das in Südostasien oder in Afrika zu einer Katastrophe führen. Bisher ist das zum Glück nicht geschehen!

Und wenn auch nur EINE der absichtlich importierten Arten sich in Mitteleuropa etablieren könnte, invasiv würde, wäre der Schaden unermesslich.
Die seit etwa 25 Jahren bei uns (lokal begrenzt) etablierte Lasius neglectus wurde wahrscheinlich ebenfalls mit Handelsware, vielleicht Topfpflanzen, eingeschleppt. Nach langer "Vorlaufzeit" wird sie jetzt zunehmend zum Problem. Und ist wohl nie mehr auszurotten, wie man aus inzwischen zahlreichen Beispielen invasiver Tiere und Pflanzen "eigentlich" lernen könnte. :roll:

MfG,
Merkur
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Zuletzt geändert von Merkur am Samstag 21. Juli 2018, 13:58, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Diskussion: Signalkrebs Pacifastacus leniusculus im Oden

Beitragvon Teleutotje » Samstag 21. Juli 2018, 11:19

One example of an ant species that has done a lot of trouble is Solenopsis geminate, transported by man around the world!

https://entomologytoday.org/2015/02/19/ ... years-ago/

and

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs ... /mec.13040
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Re: Diskussion: Signalkrebs Pacifastacus leniusculus im Oden

Beitragvon Serafine » Samstag 21. Juli 2018, 17:37

FooFighter hat geschrieben:Die Behauptung, dass invasive Arten es einfach haben weil das Ökosystem vorgeschädigt ist, ist gelinde gesagt Unsinn.

Was hat die Statistik jetzt damit zu tun?
Die war nur ein Hinweis darauf wie schlimm die Situation tatsächlich ist - nämlich auf einem Level auf dem sich eigentlich alles ohnehin nur noch um Schadensbegrenzung dreht, für den Erhalt der angestammten Ökosysteme ist es in den meisten Flüssen und Seen schlicht zu spät.

Und doch, invasive Arten haben es leichter in bereits beschädigte Ökosysteme einzudringen. Das heißt nicht, dass es keine Arten gibt, denen das auch so gelingt - aber tendenziell ist es für fremde Tierarten wesentlich einfacher sich in einem destabilisierten Ökosystem festzusetzen und zum Problem zu werden als in einem intakten Ökosystem, in dem jede Nische bereits komplett besetzt ist. Das gilt besonders für urbane Kulturfolger und Arten, die auf von menschlicher Bautätigkeit geprägten Flächen gedeihen.
Schaut man sich mal an was hier in Deutschland in der Vergangenheit mit den Wasserflächen passiert ist (und noch immer passiert) muss man sich eher wundern dass es nicht noch schlimmer aussieht - ganze Flussabschnitte wurden mehrfach durch Chemieunfälle komplettbereinigt und noch immer kippen durch den massiv überhöhten Nitrateintrag im Sommer regelmäßig Standgewässer um oder schrammen hart an der Grenze zum Kollaps entlang. Mittlerweile hat Deutschland deswegen ja sogar schon ein EU-Verfahren am Hals (ein zweites wegen Ammoniak droht), was auch gut ist, denn die Menge an Dünger die hier auf die Felder geworfen wird ist auf Dauer ökologisch schlicht nicht verkraftbar - und solange sich da nichts ändert bringt auch aller Naturschutz für Flüsse und Seen auf Dauer ziemlich wenig.

Merkur hat geschrieben:Die Behauptung, dass man mit ein paar Hundert gebietsfremder Ameisenarten für die Haltung, von denen einige auskommen, nichts verschlimmern könne, angesichts der Vielzahl durch Handel und Verkehr eingeschleppter invasiver Arten (Pflanzen und Tiere), ist so alt wie der kommerzielle Handel mit Ameisen selbst. Dutzende vehement geführte "Diskussionen" sind in den Foren zu finden. :(

Was hat das jetzt mit den Flusskrebsen zu tun? Und was hat Haltung in einer abgeschlossenen Umgebung mit dem Züchten invasiver Tierarten in Teichen zu tun?
Durch die dumme Diskussion um Zimmerhaltung von exotischen Tierarten werden genau solche Sachen wie die Freilandhaltung von invasiven Krebsen überhaupt erst möglich, weil dank einiger fanatischer Gruppen die Linie nicht mehr zwischen Zimmerhaltung und Freilandhaltung gezogen wird, sondern zwischen Haltung und Nichthaltung, die Zimmerhaltung effektiv mit der Freilandhaltung auf eine Stufe gestellt wird.

Im großen Gesamtbild verringert das aber nicht die Akzeptanz von Zimmerhaltung sondern erhöht die Akzeptanz gegenüber Freilandhaltung, macht sie salonfähig und lässt Menschen die auf die Probleme von Freilandhaltung invasiver Arten hinweisen als dieselben xenophoben Fanatiker erscheinen, die Haltung von allen fremden Tierarten generell verbieten wollen.




p.s. Aber mal im Ernst, warum darf man eigentlich einheimische Vögel nicht halten, aber Vögel aus Südamerika und Afrika?
Spatzen und Raben sind schlecht, aber invasive Sittiche und Papageien aus Südamerika okay? Was ist denn das für eine bescheuerte Logik?
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