Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

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Re: Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Beitragvon Sir Joe » Samstag 12. Januar 2019, 13:43

Merkur hat geschrieben:Zu beobachten wäre, ob den Messor-Larven nicht doch feste Bestandteile des „Brotes“ zum Fressen vorgelegt werden: Dann könnten sie feste Proteinteile aufnehmen. - Irgendwo her müssen die Larven Proteine bekommen, ebenso wie die Königinnen für die Eiproduktion. Vielleicht enthält die „alte“ Literatur einen Hinweis dazu?


In der zuletzt von Emse verlinkten Arbeit von Dr. Rob Stäger (Z. Insbiol. vol. XXIII, 1928), Beiträge zur Biologie von Messor barbarus L, Messor instabilis var. bouvieri Bondroit und Pheidole pallidula Nyl., steht sogar was dazu.

Seite 75:
Nach einer Weile, ob dann zum Teil gekeimt oder nicht, holen sie sie wieder herein, zerstückeln mit den starken Kiefern die Körner und nehmen deren Inhalt leckend in sich auf zur späteren Fütterung der Larven oder legen diesen die zerkleinerten Stückchen zur selbständigen Ernährung direkt vor. Denn es ist anzunehmen, daß auch die Larven in ihren Mund- Sekreten ein diastatisches Ferment bergen, das Amylum in Zucker zu verwandeln vermag.


Ist das Rätsel damit gelöst?

Schöne Grüße
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Re: Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Beitragvon Emse » Samstag 12. Januar 2019, 14:19

Sir Joe hat geschrieben:Ist das Rätsel damit gelöst?

Meiner Ansicht nach: Jein! :redface:


In dem Zitat von Stäger heißt es: "[..] nehmen deren Inhalt leckend in sich auf zur späteren Fütterung der Larven [..]"

- Das würde einer "klassischen" Nahrungs-Trophallaxis gleichkommen, zu der Messor aber nicht fähig sind (bzw. sein sollen).

Weiter: "[..] oder legen diesen die zerkleinerten Stückchen zur selbständigen Ernährung direkt vor."

- Eine für mich brauchbare Beobachtung!

Stäger: "Denn es ist anzunehmen, daß auch die Larven in ihren Mund- Sekreten ein diastatisches Ferment bergen, das Amylum [Stärke] in Zucker zu verwandeln vermag."

- Mag sein. Nur, was sollen die Larven mit dem Zucker anfangen? Aber zumindest werden sie so an das benötigte Protein kommen!

Danke an Sir Joe für den Hinweis! :)
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Emse
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Re: Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Beitragvon Merkur » Samstag 12. Januar 2019, 16:15

Kleiner Exkurs in die Stoffwechselphysiologie:

Stäger: "Denn es ist anzunehmen, daß auch die Larven in ihren Mund- Sekreten ein diastatisches Ferment bergen, das Amylum [Stärke] in Zucker zu verwandeln vermag."
- Mag sein. Nur, was sollen die Larven mit dem Zucker anfangen? Aber zumindest werden sie so an das benötigte Protein kommen!
Zucker werden in den Mitochondrien mittels Sauerstoff veratmet, wobei die freiwerdende Energie zum Aufbau von ATP (Adenosintriphosphat) verwendet wird. Dieses ist die „Energiemünze“ im Stoffwechsel, es liefert die benötigte Energie für alle Auf- oder Abbauvorgänge, wird also auch von Larven für Bewegung (Kauen!), Wachstum, Zellteilungen usw. gebraucht.
http://www.biologie-lexikon.de/lexikon/ ... ndrien.php :
"Mitochondrien sind die "Kraftwerke" oder "Energiezentralen" der eukaryontischen Zelle: Aus Sauerstoff und Zucker gewinnen sie Energie, die die Zellen verwerten können. Mitochondrien sind also Zellorganellen, in denen viele energieliefernde Abbauprozesse stattfinden. Die in den Mitochondrien gewonnene Energie wird vor allem in Form von ATP gespeichert (ATP ist sozusagen die "Energiemünze" der Zelle)."

Zucker werden auch zu Fettsäuren aufgebaut, die wiederum in großer Menge dem Aufbau der Fettreserven in den Larven dienen. (Ein Teil des Zuckers muss natürlich veratmet werden, um die Energie für die Syntheseleistung beim Aufbau der Reservestoffe zu liefern): https://www.spektrum.de/lexikon/biologi ... hsel/24295
"So können z.B. überschüssige Kohlenhydrate über Acetyl-Coenzym A zu Fettsäuren umgewandelt werden."

Im Prinzip ist es ähnlich wie bei uns: Zu viel „Süßes“ in der Nahrung wird als Fett eingelagert, man wird dick.
Mit Energie zehrender Bewegung lässt sich das Fett zu Zuckern abbauen, deren Veratmung die Energie für das Joggen liefert. :D

(Nebengedanke): Das Gehirn gilt als stärkster Energieverbraucher im menschlichen Organismus: http://arbeitsblaetter-news.stangl-tall ... s-gehirns/ .
Ich habe allerdings noch nie gelesen, dass Denken schlank macht. ;)
Doch gibt‘s dazu auch wissenschaftliche Untersuchungen, z. B.: https://vitruv.uni-tuebingen.de/ilias3/ ... hlank.html
Beim Surfen kann man vieles erfahren, von dem man noch nicht mal wusste, dass man es wissen wollte. :D

MfG, und schönes WE,
Merkur
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Re: Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Beitragvon Emse » Sonntag 13. Januar 2019, 23:38

Ein kleiner Gruß aus der angehenden "Ameisenbeobachterei"!

Nach dem "Biologie-Teil" wieder weiter mit "Technik und Basteln".

Das Nest für Gyne #1 nimmt Gestalt an; mit der (bei Dämmerung automatisch angehenden) Nachtbeleuchtung bin ich mittlerweile ziemlich zufrieden.

Hier die Variante mit nur einer (direkt über dem Nest angebrachten) Rotlichtlampe:

Bild

Bild

Und hier, etwas heller, mit zusätzlichem Rotlicht von den Seiten:

Bild

Mehr Bilder der Anlage (bei Tage) folgen...
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Re: Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Beitragvon Emse » Montag 14. Januar 2019, 19:49

Mehr Fotos:

Bodenplatte (60x30cm), Rückwand (20cm hoch), Material Sperrholz, Farbe Anthrazit matt.
Die beiden "Scheinwerfer" sind (umgebaute) ehemalige Klemmleuchten:

Bild

Auf dem weißen Areal ist genug Platz für ein Heizkabel, zukünftige Temperaturmesser und die kleinen Wasserwannen, in denen die Gipspilze der Nestmodule stehen. Die beiden Löcher in der Rückwand dienen als spätere Kabeldurchführung:

Bild

Jetzt noch den Träger mit den Nestmodulen:

Bild

Und hier das Ganze in der Vollansicht, die Kabel der beiden Lampen verschwinden später unsichtbar hinter der Rückwand:

Bild

Geplant ist noch die Anschaffung einer automatischen Temperatur-steuerung und zweier Digitalthermometer.
Die Anzeigedisplays dieser Geräte werden ihren Platz dann an der Rückwand finden.

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edit: Und schon wieder ward es Nacht im zukünftigen Observatorium...

Bild

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edit2: Die "Kiste" scheint hier wohl niemanden "vom Hocker zu reissen"... :D ;)
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Re: Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Beitragvon Emse » Mittwoch 16. Januar 2019, 14:23

Um diesen Thread langsam zum Abschluss zu bringen (bevor der eigentliche Haltungsbericht im März beginnt), hier noch ein Blick in das derzeitige Winterlager (Styroporbox) der drei Gynen:

Bild
...

Mini-Experiment: Wird Gyne #1 freiwillig ("gerne") aus ihrem Reagenzglas in das neu angeschlossene Gründungsnest umziehen?

Bild
...

Mini-Experiment: Was veranstaltet Gyne #2 wohl mit einer großen Portion Baumaterial (Sand-Lehm-Mischung)? Interessiert scheint sie ja zu sein...

Bild
...

Mini-Experiment: Was macht Gyne #3 mit erstmalig angebotener Nahrung (Wasser, Honigwasser, 2 Samenkörner)?

Bild

(Auflösungen in der nächsten Woche!)
...

Gut brauchbar übrigens der Datenlogger (4), der die Temperaturen in der Box misst und aufzeichnet. So lässt sich später am PC feststellen, ob zum Beispiel nicht vielleicht doch der Frost (o.ä.) "eingeschlagen" hat:

Screenshot (5).png

Die Box (mit darin zusätzlich untergebrachten Wasserflaschen = "Puffer") macht ihren Job ordentlich, die außen (wesentlich abweichenden!) Höchst- u. Tiefst-temperaturen (Mallorca, Balearen) werden innen auf einen fast schon konstanten Mittelwert gepuffert.
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Re: Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Beitragvon Trailandstreet » Mittwoch 23. Januar 2019, 10:09

So ein Datenlogger würde mich ja auch mal interessieren. Kann man den später, bzw Wochenweise auslesen oder muss der dauernd am Gerät hängen?
Ich habe ja mal die Wintertemperaturen grob aufgezeichnet, weil ich ja auch keine Lust hatte, jeden Tag das Thermometer abzulesen, aber zumindest hatte ich die Temperaturmaxima immer für gewisse Perioden im Auge.
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Re: Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Beitragvon Emse » Donnerstag 24. Januar 2019, 15:50

Nachtrag zu den drei "Mini-Experimenten":

G1 bleibt wohl doch lieber in ihrem Reagenzglas:

Bild
---

G3 hat augenscheinlich zwar keinerlei Nahrung zu sich genommen, trotzdem gibt es Anzeichen für eine "Verdauung" (grüner Kreis):

Bild
---

G2 hat mich überrascht! Ihr scheint die angebotene Sand-Lehm-Mischung willkommen gewesen zu sein, um sich damit ihr Apartment etwas komfortabler einzurichten. Der Deckel, der Verschlusstopfen und die Seiten der Futterkammer wurden fein säuberlich mit Lehm verputzt! Scheint, als hätten Ameisen ein besonders feines Gespür für "Zugluft", bzw. kleinste Öffnungen.

Zum Vergleich, so sah es "auf der Baustelle" noch vor einer Woche aus:

Bild

Und heute:

Bild

Fleissig! :D

---------

@ Trailandstreet:

Der Datenlogger zeichnet die Temperatur (sowie Luftfeuchte) in der Styropor-Box nach vorher programmierten Messintervalen selbständig auf und speichert die Werte dauerhaft ab. Das Gerät muss also nicht ständig mit dem PC verbunden sein, der Speicher lässt sich jederzeit auslesen. Hier die Temperaturkurve der letzten Woche, auch in Palma-Stadt wird es mittlerweile kälter. (Was sich ebenfalls am Verhalten der Gynen ablesen lässt, sie waren heute schon etwas träger.)

Screenshot (7).png
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Re: Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Beitragvon Emse » Samstag 16. Februar 2019, 22:41

Zum Abschluss:

Weder vereinfachen die getesteten Nestmodule die Ameisenhaltung, noch machen sie sie unmöglich. ;) :D

Ich melde mich dann ggf. im Frühjahr mit einem Haltungsbericht, u.a. mit neuen Bildern, und sofern überhaupt ein Interesse daran besteht ( :sleep: )

Diesen Thread hier aber bitte schließen. :)

:closed:
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