Wie Ameisenlarven ihr Volk verteidigen

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Wie Ameisenlarven ihr Volk verteidigen

Beitragvon Merkur » Samstag 9. März 2019, 18:19

Die Larven der Ameisen hält man gewöhnlich für pflegebedürftige Fresser. Aber tun sie auch etwas gegen unerwünschte Eindringlinge in ihr Muttervolk?
- Eine Forschergruppe aus Finnland und Regensburg hat sich diese Frage gestellt.

https://www.newscientist.com/article/21 ... intruders/
Ameisenlarven verteidigen ihr Heim indem sie Eier von Eindringlingen fressen.“

Originalarbeit:
Unni Pulliainen, Heikki Helanterä, Liselotte Sundström, Eva Schultner (2019): The possible role of ant larvae in the defence against social parasites. Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences http://doi.org/10.1098/rspb.2018.2867
Abstract
Temporary social parasite ant queens initiate new colonies by entering colonies of host species, where they begin laying eggs. As the resident queen can be killed during this process, host colonies may lose their entire future reproductive output. Selection thus favours the evolution of defence mechanisms, before and after parasite intrusion. Most studies on social parasites focus on host worker discrimination of parasite queens and their offspring. However, ant larvae can also influence brood composition by consuming eggs. This raises the question whether host larvae can aid in preventing colony takeover by consuming eggs laid by parasite queens. To test whether larvae could play a role in anti-parasite defence, we compared the rates at which larvae of a common host species, Formica fusca, consumed eggs laid by social parasite, non-parasite, nest-mate, or conspecific non-nest-mate queens. Larvae consumed social parasite eggs more than eggs laid by a heterospecific non-parasite queen, irrespective of the chemical distance between the egg cuticular profiles. Also, larvae consumed eggs laid by conspecific non-nest-mate queens more than those laid by nest-mate queens. Our study suggests that larvae may act as players in colony defence against social parasitism, and that social parasitism is a key factor shaping discrimination behaviour in ants.

Es geht um Formica (Serviformica) fusca, die von mehreren anderen Formica-Arten als Wirts- bzw. Sklavenart genutzt wird, z. B. zur Koloniegründung von F. exsecta, F. truncorum, und Formica (Raptiformica) sanguinea.
Während man in früheren Untersuchungen das Augenmerk besonders auf die Fähigkeit von Wirtsarbeiterinnen zum Erkennen von Sozialparasiten-Königinnen und deren Nachwuchs gerichtet hat, geht die Forschergruppe von der Hypothese aus, dass die Selektion auch die Entwicklung weiterer Verteidigungsmechanismen gefördert haben sollte. Die Frage ist, ob Larven der Wirtsarten die Zusammensetzung der Brut verändern können, indem sie Eier der Parasitenart verzehren.
In umfangreichen Versuchen haben die vier (!) Autor/in/nen zeigen können, dass F. fusca-Larven, denen man Eier unterschiedlicher Herkunft vorlegt, mehr von den Eiern einer parasitischen Art verzehrten als von Eiern der Königin einer anderen, nicht-parasitischen Formica-Art, oder auch einer nicht zum Volk gehörigen Königin der eigenen Art. Die Arbeit legt nahe, dass Larven auf diese Weise bei der Abwehr eindringender temporärer Sozialparasiten mitwirken können, sowie dass Sozialparasitismus ein Schlüsselfaktor bei der Evolution des Diskriminierungsverhaltens bei Ameisen ist.

MfG,
Merkur
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