Ameisen: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

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Re: Ameisen: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Beitragvon Teleutotje » Mittwoch 1. August 2018, 23:54

Merkur hat geschrieben:Der von Teleutotje angesprochene Artikel über die Messor-Revision ist hier einzusehen (von der Zeitschrift akzeptiert, aber noch nicht veröffentlicht):
https://de.scribd.com/document/37827637 ... r-structor
Aus der ehemaligen Messor structor sind fünf Arten geworden. Man kann erkennen, welch immense Arbeit dahinter steht, eine solche Artengruppe zu revidieren.

M. ibericus: Das ist der nun gültige Name für die z. B. aus der Umgebung Mainz bekannten M. „structor“. In D gibt es keine M. structor.
Vorkommen: Bulgaria, Croatia, France, Germany, Greece, Italy, Romania, Slovenia, Spain, Switzerland. Multicoloniality and swarming flights reported from Mainz, Germany

M. ponticus n. sp.: Neu beschriebene Art; um das Schwarze Meer verbreitet.

M. structor: Nach Material von der Typuslokalität in Südfrankreich erneut beschrieben (redescribed). Vorkommen in: Austria, Bulgaria, Czech Republic, France, Hungary, Romania, Slovenia.
Aus Österreich ist für diese Art Unikolonialität und das Fehlen des Schwarmfluges beschrieben.

M. muticus: Wiederbeschreibung (redescription).
Vorkommen: Armenia, Kazakhstan, Kyrgyz Republic, Romania, Russian Federation, Ukraine.

M. mcarthuri n. sp.: Neu beschriebene Art.
Vorkommen: Greece, Turkey.

Die bisherige M. structor aus dem Mittelrheingebiet heißt jetzt also M. ibericus. Die „echte“ M. structor kommt in D nicht vor, wohl aber in Südfrankreich und in Österreich.
Damit sind fast alle bisher „Messor structor“ genannten Ameisen neu zu bewerten, sowohl die in der Literatur vor 2018 so bezeichneten als auch in Ameisenhandel und -haltung „M. structor“ genannten Kolonien!
Es kommt also WIRKLICH darauf an, zu wissen woher man seine Ameisen hat!!
Und nun dürfte auch jedem deutlich werden, was man mit dem Freilassen oder Ansiedeln gebietsfremder Ameisen anrichten kann. Das Argument „die Art M. structor kommt doch in Deutschland vor, also kann es nicht schaden meine Tiere aus Österreich hier freizulassen“ ist einfach falsch, weil die M. structor aus Österreich eben nicht identisch mit der jetzigen M. ibericus aus D ist. - Eine erfolgreiche Ansiedlung der gebietsfremden Art könnte derartige (aufwändige und teure!) Studien entwerten und falsche Schlüsse über die geographische Ausbreitung der einzelnen Arten nach sich ziehen.
Interessant sind auch die Verbreitungskarten für die fünf Arten, die unter dem angegebenen Link einzusehen sind.

MfG,
Merkur



Endlich auf AntCat: http://antcat.org/documents/6951/Steine ... lution.pdf
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Re: Ameisen: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Beitragvon Teleutotje » Mittwoch 15. August 2018, 22:52

Merkur hat geschrieben:Revision der Fire Ants der Solenopsis saevissima-Artengruppe

James P Pitts, Gabriela Procópio Camacho, Dietrich Gotzek, Joseph V McHugh and Kenneth G. Ross (2018): Revision of the Fire Ants of the Solenopsis saevissima Species-Group (Hymenoptera: Formicidae) - Proceedings- Entomological Society of Washington 120(2)
DOI 10.4289/0013-8797.120.2.308
https://www.researchgate.net/publicatio ... Formicidae

Abstract
The fire ants of the Solenopsis geminata species-group of Trager (1991) are revised based on the morphology of worker larvae and of adult forms of workers, males, and gynes (winged or dealated members of the queen caste). The amount of intraspecific variation occurring in the adult males and gynes was equivalent to that of workers, making the taxonomic information gained from these castes no better than information from the workers. A new species, S. metallica, is described from southern Brazil, based on adult workers, adult gynes, males, and worker larvae. The following classification changes are made: S. virulens is placed in the S. virulens species-group; S. tridens and S. substituta are placed in the S. tridens species-group; S. metallica new species, S. daguerrei, S. electra, S. hostilis, S. interrupta, S. invicta, S. macdonaghi, S. megergates, S. pusillignis, S. pythia, S. quinquecuspis, S. richteri, S. saevissima, and S. weyrauchi are placed in the S. saevissima species-group; and S. geminata, S. xyloni, S. amblychila, S. aurea, S. gayi, and S. bruesi are left in the S. geminata species-group. The older classification, which designated complexes and subcomplexes, is abandoned. For the S. saevissima species-group, adults of males and gynes, as well as worker larvae, are described and diagnosed for each species. Diagnoses and keys (dichotomous and tabular) are provided for adult workers, the most commonly collected material, and distributions of the species are summarized. (Ich habe die bekannteren Arten hervorgehoben - Merkur)

Wer glaubte, dass es nur 3 oder 4 Arten von Fire Ants zu unterscheiden gibt, kann sich hier überzeugen, dass das doch eine sehr artenreiche Gattung ist. Die Revision basiert auf Untersuchungen von Arbeiterinbnen und Gynen, aber auch Männchen und sogar Larven (beides ist bisher unüblich in der Ameisen-Taxonomie!). Bestimmungsschlüssel, Bilder und Verbreitungskarten ergänzen den Text.

Die neu beschrieben Art Solenopsis metallica ist nach ihrer häufigsten und auffälligsten Farbmorphe, der glänzenden, metallisch-orangen Form, benannt. Metallica ist auch eine von mehreren der Autoren favorisierte rock band. Das Artepithet ist ein Substantiv in Apposition.

MfG,
Merkur


Without the additional files you can find the article on AntWiki http://www.antwiki.org/wiki/images/b/bf ... _group.pdf or on AntCat http://antcat.org/documents/6983/Pitts_ ... ington.pdf
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Re: Ameisen: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Beitragvon Emse » Dienstag 21. August 2018, 13:35

Zur Effizienzsteigerung von "Bauarbeiten" durch Untätigkeit:

Was Ameisen uns voraus haben – und den Robotern / Ein Biomechaniker hat sich angeschaut, wie Ameisen ihre Arbeit organisieren. Ein Vorurteil über die Fleißarbeiter kann er nun ausräumen.

http://www.faz.net/aktuell/wissen/leben ... ageIndex_0
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Re: Ameisen: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Beitragvon Teleutotje » Donnerstag 23. August 2018, 15:35

Evolution of Formica species and social parasitism in the genus itself:

https://bmcevolbiol.biomedcentral.com/a ... 018-1159-4
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Re: Ameisen: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Beitragvon Teleutotje » Donnerstag 23. August 2018, 19:09

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Re: Ameisen: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Beitragvon Teleutotje » Mittwoch 26. September 2018, 12:30

How an ant mandible can tell something about a male ant, here Cardiocondyla.

https://www.eje.cz/pdfs/eje/2018/01/47.pdf
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Re: Ameisen: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Beitragvon Emse » Mittwoch 26. September 2018, 19:48

Mal etwas über Termiten [Glyptotermes nakajimai]:

Es geht auch ohne Männchen / https://www.wissenschaft.de/umwelt-natu ... maennchen/

Normalerweise bestehen Termitenstaaten zu gleichen Teilen aus männlichen und weiblichen Tieren – anders als bei Honigbiene und Ameisen. Doch jetzt haben Forscher in Japan Termitenkolonien entdeckt, in denen die Männchen komplett fehlen. Selbst die Königin dieser Staaten paart sich nicht, sondern produziert unbefruchtete Eier, aus denen die Arbeiterinnen und Soldatinnen schlüpfen. Das Überraschende daran: Andere Kolonien derselben Art pflanzen sich völlig normal fort. [..]


Paper: https://bmcbiol.biomedcentral.com/artic ... 018-0563-y
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Re: Ameisen: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Beitragvon Merkur » Donnerstag 27. September 2018, 10:46

Zu den parthenogenetischen Termiten:
Welch langweiliges Dasein! Wie gut, dass Insekten darunter nicht leiden können. ;)

Aber es ist immerhin etwas Neues, dass das auch bei Termiten möglich ist.
In diesem Beitrag heißt es:
Einmaliger Wechsel zur asexuellen Fortpflanzung
Das aber bedeutet: Obwohl die Art Glyptotermes nakajiami sich normalerweise sexuell fortpflanzt, hat sich bei einigen Kolonien offenbar eine asexuelle Fortpflanzung entwickelt. Dabei schlüpfen Arbeiterinnen, Soldatinnen und auch neue Königinnen aus unbefruchteten Eiern. Weil es kein väterliches Erbgut mit männlichen Geschlechtschromosomen gibt, können bei dieser Parthenogenese keine Männchen entstehen. Alle Nachkommen dieser Termitenköniginnen sind weiblich.
Da muss ich etwas Einspruch erheben. Es ist keine „asexuelle“ = ungeschlechtliche Fortpflanzung!

In der Biologie unterscheidet man zwischen der (I)„normalen“ bisexuellen Fortpflanzung (mittels Keimzellen von Weibchen und Männchen), der (II) nicht seltenen „eingeschlechtlichen“ = parthenogenetischen Fortpflanzung (bei der weibliche Geschlechtszellen, aus einer weiblichen Keimdrüse, dem Ovarium, sich unbefruchtet zu Nachkommen entwickeln), und (III) der ungeschlechtlichen = asexuellen Fortpflanzung (bei der aus normalen Körperzellen identische Kopien des Organismus entstehen, Klone, bei Pflanzen z. B. Ausläufer, Brutknospen, Ableger usw., bei Tieren z. B. Seeanemonen und anderen Polypen).
Im Falle der Termiten ist es somit eine eingeschlechtliche, nicht „ungeschlechtliche“ Fortpflanzung.

Im einzelnen ist es noch komplizierter, mit vielen unterschiedlichen Varianten, siehe Wikipedia.
Recht häufig ist auch ein Wechsel zwischen zwei Fortpflanzungsmethoden, ein Generationswechsel.
Hymenopteren wie Ameisen und Bienen sind ein Sonderfall, bei dem Männchen eingeschlechtlich (aus unbefruchteten Eiern) und Weibchen zweigeschlechtlich (aus befruchteten Eiern) entstehen. Doch gibt es auch Ameisenarten, die es wie die o. g. Termiten machen, mit ausschließlich eingeschlechtlicher Entstehung von weiblichen Nachkommen (dabei unterbleibt die „Reifeteilung“ der Eizellen, die somit diploid bleiben. Bsp. Pristomyrmex punctatus .
MfG,
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Re: Ameisen: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Beitragvon Teleutotje » Samstag 29. September 2018, 23:49

The new taxonomic identity of Tapinoma melanocephalum:

http://antcat.org/documents/7004/Guerre ... phalum.pdf
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Re: Ameisen: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Beitragvon Teleutotje » Donnerstag 4. Oktober 2018, 11:12

Blaimer, B. B., Ward, P. S., Schultz, T. R., Fisher, B. L., Brady, S. G., 2018, “Paleotropical Diversification Dominates the Evolution of the Hyperdiverse Ant Tribe Crematogastrini (Hymenoptera: Formicidae).” Insect Systematics and Diversity, vol. 2, no. 5, art. 3, p. 1-14.
- 14 pp., 4 figs., + 2 supporting files. - [online 2018-09-01].

Abstract

Levels of diversity vary strikingly among different phylogenetic lineages of ants. Rapid radiations in early ant evolution have often proven difficult to resolve with traditional Sanger-sequencing data sets of modest size. We provide a phylogenomic perspective on the evolution of the hyperdiverse ant tribe Crematogastrini by analyzing sequence data for nearly 1,800 ultraconserved element (UCE) loci from 153 species comprising 56 genera. We reconstruct a next-to-complete genus-level phylogeny using concatenated maximum likelihood and species-tree approaches, estimate divergence dates and diversification rates for the tribe, and investigate the evolution of nest sites. Our results show 10 well-supported major clades which we define as the Cataulacus, Carebara, Vollenhovia, Podomyrma, Crematogaster, Mayriella, Lordomyrma, Myrmecina, Paratopula, and Formicoxenus genus-groups. These lineages are estimated to have arisen from a Paleotropical ancestor (crown-group age ~75 Ma) over a relatively short time interval (50–70 Ma). The Afrotropical and especially the Indomalayan regions appear to have played a key role in the early diversification history of the tribe. Several shifts in diversification rates were found to be related to the evolution of large, widespread genera; however, we were unable to confidently associate these shifts with evolutionary innovations or events. Arboreal habitats have been successfully colonized by only few clades within Crematogastrini from ground-nesting ancestors, with no reversals supported. Our genus-level phylogeny for Crematogastrini provides insights into the diversification and evolution of one of the most diverse clades of ants, and our division of the tribe into well-supported genus-group lineages sets the stage for more detailed species-level investigations.

https://academic.oup.com/isd/article-pd ... ixy013.pdf

https://oup.silverchair-cdn.com/oup/bac ... RDK6RD3PGA

https://oup.silverchair-cdn.com/oup/bac ... RDK6RD3PGA

Still some comments:

Same treatment as before: Teleutomyrmex, Anergates,… stay as synonyms of Tetramorium but Strongylognathus stays apart from Tetramorium. They even keep the name Tetramorium kutteri although it is the name from Tinaut and a junior secondary homonym of Tetramorium semilaeve kutteri Santschi, 1927. Strange………
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Re: Ameisen: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Beitragvon Emse » Mittwoch 10. Oktober 2018, 20:52

Geburtenkontrolle im Ameisenstaat / Ameisen können steuern, welche Larve eine Arbeiterin und welche eine Soldatin wird.

Wie Forscher aus Kanada mitteilten, liegt das Geheimnis in einem kleinen Organ, das während der Metamorphose der Ameisen-Larve zum Insekt nur ganz kurz auftaucht. Bei männlichen Ameisen und Ameisenköniginnen würden daraus später die Flügel. Bis jetzt ging man davon aus, dass die anderen Mitglieder im Ameisenstaat dieses Organ nicht brauchen. Die Wissenschftler zeigen nun aber, dass dieses Flügel-Organ auch bei Larven erscheint, aus denen später Soldatinnen werden können. Ohne das Organ wird aus der Larve eine Arbeiterin.

Und noch einen Steuerungsmechanismus fanden die Forscher: Die bereits aktiven Soldatinnen sondern während ihrer Lebenszeit einen Duftstoff ab. Dieser steuert, wie viele der Soldatinnen-Larven heranwachsen. So wird verhindert, dass es zu viele Soldatinnen und nicht genug Arbeiterinnen im Staat gibt.

Ameisen leben oft in straff organisierten Staaten, in denen jedes Tier eine festgelegte Aufgabe hat. Bei den Ameisenarten der Gattung Pheidole zeigt sich das auch an der Körperform: Es gibt in jedem Staat etwa fünf bis zehn Prozent Soldatinnen, die deutlich größer und stärker sind als die restlichen Arbeiterinnen. Zu den Pheidole-Ameisen gehören vor allem Arten, die in Südeuropa und den tropischen Gebieten vorkommen.


Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/insekten ... _id=933921
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Re: Ameisen: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Beitragvon Phil » Mittwoch 10. Oktober 2018, 21:21

Wow! Ich war etwas stutzig, aber da steckt ein wirklich bahnbrechendes Paper dahinter: https://www.nature.com/articles/s41586-018-0613-1
Für diejenigen, die von der Paywall geblockt werden: http://sci-hub.tw/10.1038/s41586-018-0613-1

Und hier die ausführliche und spannende Entdeckungsgeschichte dahinter: https://natureecoevocommunity.nature.co ... -ants-huge
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Re: Ameisen: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Beitragvon Emse » Donnerstag 11. Oktober 2018, 19:17

Danke an Phil für die weiterführenden Links zum Thema (s.o.)
und ganz besonders für seine verständliche Zusammenfassung des Papers im Nachbarforum:

Wie Pheidole Soldaten produzieren / http://forum.eusozial.de/index.php?thre ... oduzieren/
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Re: Ameisen: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Beitragvon Merkur » Donnerstag 18. Oktober 2018, 17:03

Social regulation of insulin signaling in ants / Soziale Regulation der Wirkung von Insulin bei Ameisen
https://blog.myrmecologicalnews.org/201 ... signaling/

Ein sehenswerter Blog zu einer Veröffentlichung in der „Science“: Vikram Chandra, Ingrid Fetter-Pruneda, Peter R. Oxley, Amelia L. Ritger, Sean K. McKenzie, Romain Libbrecht, and Daniel J.C. Kronauer (2018):
Social regulation of insulin signaling and the evolution of eusociality in ants. - Science 361, Issue 6400, pp. 398-402. DOI: 10.1126/science.aar5723

Die Autoren haben ein insulin-like peptide 2 (ilp2) (Insulin-ähnliches Peptid, ilp2) isoliert, das bei Ameisen die Determination weiblicher Kasten steuern dürfte. Es ist ein einziges Gen, das bei reproduktiven Tieren im Vergleich zu Arbeiterinnen hochreguliert wird, und das wahrscheinlich für den Königinnen-Status wichtig ist. In dem Blog zeigen sie interessante Aufnahmen von Ovariolen ohne bzw. mit Einfluss des Peptids, sowie ein speziell gefärbtes Gehirn, in dem an einer bestimmten Stelle gerade mal 15 Zellen das Hormon produzieren.

Als Versuchstiere verwendeten sie Ooceraea biroi, eine klonale Doryline, die keine morphologische Königinnenkaste besitzt. Alle Individuen sehen wie Arbeiterinnen aus, und in regelmäßigem Wechsel fungieren sie als Eierlegerinnen (diploide Eier; es entstehen also nur weibliche Nachkommen) bzw. Brutpflegerinnen: Sind Larven vorhanden, hemmen diese die ilp2-Produktion und die Eiablage der Adulten. Ist die Brut verpuppt, erhalten die Arbeiterinnen selbst mehr Futter, ilp2 wird ausgeschüttet und die Tiere produzieren das nächste Gelege, ganz wie bei den bekannten Heeresameisen (wo allerdings die Arbeiterinnen steril bleiben und nur die Königin den Eiablage-Zyklus durchmacht).

Abstract der Originalarbeit: http://science.sciencemag.org/content/361/6400/398 (leider nicht frei zugänglicher Volltext)
Queens and workers of eusocial Hymenoptera are considered homologous to the reproductive and brood care phases of an ancestral subsocial life cycle. However, the molecular mechanisms underlying the evolution of reproductive division of labor remain obscure. Using a brain transcriptomics screen, we identified a single gene, insulin-like peptide 2 (ilp2), which is always up-regulated in ant reproductives, likely because they are better nourished than their nonreproductive nestmates. In clonal raider ants (Ooceraea biroi), larval signals inhibit adult reproduction by suppressing ilp2, thus producing a colony reproductive cycle reminiscent of ancestral subsociality. However, increasing ILP2 peptide levels overrides larval suppression, thereby breaking the colony cycle and inducing a stable division of labor. These findings suggest a simple model for the origin of ant eusociality via nutritionally determined reproductive asymmetries potentially amplified by larval signals.


Anmerkung:
Diese Untersuchung bringt einen wichtigen Fortschritt im Verständnis der Steuerung der Reproduktion bei Ameisen (und anderen sozialen Hymenopteren). Auch zur Evolution eusozialen Verhaltens ist es ein bedeutender Beitrag. Im Abstract wird er Vergleich gezogen zu den reproduktiven und Brutpflege-Phasen im Lebenszyklus subsozialer Hymenopteren.

MfG,
Merkur
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Re: Ameisen: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Beitragvon kaigloyna » Freitag 19. Oktober 2018, 17:58

Neue Lasisus-Art von Kreta beschrieben: Lasius tapinomoides

S. Salata, L. Borowiec 2018
A new species of the ant genus Lasius Fabricius, 1804 from Crete (Hymenoptera, Formicidae)

Die neue Art verorten die Autoren in der alienus-Gruppe und in dieser im turcicus-Komplex. Damit ist sie eine Schwester-Art von L. turcicus, L. neglectus and L. austriacus
Als Differenzierungsmerkmale werden u.a. abstehende Borsten im distalen Drittel des Scapus angegeben und eine extrem flache Metanotumgrube.
Im Gegensatz zu L. austriacus kommt die neue Art in feuchten, geschlossenen Wäldern vor.

Die Autoren aktualisieren auch die jetzt von Kreta bekannten Lasius-Arten und veröffentlichen für diese einen Schlüssel.

Die Arbeit ist open Access: https://zookeys.pensoft.net/article/27022/

HG, K
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Bienen: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Beitragvon Emse » Samstag 20. Oktober 2018, 12:44

Kurzer Abstecher in das Reich der Bienen:

Bienen trommeln zur Arbeit

Sprichwörtlich ist ja oft die Rede von der fleißigen Biene, aber manchmal haben die Arbeiterinnen im Bienenstock einen Durchhänger.

Britische Forscher haben jetzt rausgefunden, dass ältere Honigbienen die jungen Faulenzer dann offenbar zur Arbeit antreiben - und zwar mit einem Trommelgeräusch. Das Signal ist schon seit etwa 90 Jahren bekannt, die Forscher haben jetzt zum ersten Mal ein Jahr lang verfolgt, wann die Bienen es machen. Es wird nur von den Älteren produziert, indem sie ihren Bauch vibrieren lassen, während sie eine andere Biene mit ihren Beinchen packen. Manchmal trommeln sie aber auch direkt auf die Bienenwaben - mehrfach, in schneller Abfolge, um möglichst viele junge Bienen zu erreichen.

Die Forscher schreiben, dass die alten Bienen vor allem nachts trommeln. Sie vermuten, dass das Geräusch die Jungbienen zur Nahrungsverarbeitung oder Brutpflege antreiben soll - dabei zeigten sie dann mehr Power, als hätten sie Kaffee getrunken.


Quelle: https://www.deutschlandfunknova.de/nach ... zur-arbeit
Paper: https://www.nature.com/articles/s41598-018-32931-z
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Bienen: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Beitragvon Emse » Donnerstag 25. Oktober 2018, 21:00

Ergänzung zu obigem Beitrag, ein kurzes Video und eine Sound-Datei zur "Trommelsprache" der Bienen (nicht zu verwechseln mit der " Tanzsprache "):

https://www.mdr.de/wissen/bienen-tromme ... s-100.html

Gut möglich, dass mit diesen Lautäußerungen auch noch weitere/andere Informationen innerhalb des Bienenstockes transportiert werden. Bin gespannt auf weitere Forschungen/Berichte dazu! :)
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Re: Ameisen: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Beitragvon Teleutotje » Montag 5. November 2018, 21:18

Khalife, A., Keller, R.A., Billen, J., Hita Garcia, F., Economo, E.P., & Peeters, C. (2018) Skeletomuscular adaptations of head and legs of Melissotarsus ants for tunnelling through living wood. Frontiers in Zoology 15: 30.

https://frontiersinzoology.biomedcentra ... 018-0277-6 or

https://frontiersinzoology.biomedcentra ... 018-0277-6 and https://static-content.springer.com/esm ... M2_ESM.pdf
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Re: Ameisen: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Beitragvon Teleutotje » Donnerstag 8. November 2018, 13:17

Revision and redefinition of the crematogastrine genus Tetheamyrma BOLTON, 1991, with the description of a new species and the first description of the dealate queen (Hymenoptera: Formicidae).
General, D.E.M & Buenavente, P.A.

https://www.myrmecologicalnews.org/cms/ ... format=raw
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Re: Ameisen: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Beitragvon Teleutotje » Dienstag 13. November 2018, 14:54

Not really ants but...

Taxonomy of coccids (Hemiptera: Coccidae: Coccus L.) associated with Crematogaster ants (Hymenoptera: Formicidae) in the stems of Macaranga plants (Euphorbiaceae) in Southeast Asia.
PENNY J. GULLAN, TAKUMASA KONDO, BRIGITTE FIALA, SWEE-PECK QUEK.

http://mapress.com/j/zt/article/downloa ... .1.1/16573
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