Neues phylogenetisches System der Myrmicinae

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Re: Neues phylogenetisches System der Myrmicinae

Beitragvon Phil » Montag 11. Januar 2016, 18:43

Man sollte aber anfügen, dass man Trichomyrmex destructor im Feld kaum mit Monomorium pharaonis verwechseln kann, da (wie in dem Zitat auch schon genannt) diese einen ziemlich starken Größenpolymorphismus aufweisen (Majore sind fast doppelt so groß wie Minore!), der bei M. pharaonis praktisch nicht vorhanden ist.
Die meiner Meinung nach einleuchtenste Kritik an der Myrmicinenrevision kommt von Donat Agosti: http://antbase.blogspot.fr/2015/05/nome ... igher.html
Meine Hoffnung ist eine Tetramorium-Revision (Gerüchtweise schon in Arbeit??), die diese monströse Gattung wieder in altbekannte kleinere Gattungen zerlegt so ähnlich wie man es auch mit Pachycondyla gemacht hat. Das würde dann vielleicht auch Sozialparasitengattungen wiederbeleben.

Grüße, Phil
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Phil
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Re: Neues phylogenetisches System der Myrmicinae

Beitragvon Merkur » Dienstag 12. Januar 2016, 19:11

Hallo Phil,

Stimme Dir voll zu, dass ein solcher Größenpolymorphismus wie bei Trichomyrmex destructor auffallen sollte, wenn man ein Nest vor sich hat, oder eine dicht belaufene Stelle.
Schwieriger wird es, wenn man nur 2-3 vereinzelte Tiere sehen kann, oder etwa bei Fallenfängen nicht weiß, welche Individuen zu demselben Volk (derselben Art) gehören könnten. :roll:
Mir ist T. destructor bisher nie bewusst begegnet. Aber bei so mancher Gelegenheit in tropischen Ländern könnte ich diese Art mit M. pharaonis verwechselt haben.
Ein ähnliches Problem stellte sich mir oft in den Mittelmeerländern: Pheidole pallidula oder Temnothorax recedens? – Erst wenn Soldaten auftauchen, ist man sicher. Oder man öffnet ein Nest von T. recedens und sieht die Königin: Die ist nicht mit Pheidole zu verwechseln. (Unter dem Bino sind die Arbeiterinnen natürlich gut zu unterscheiden).

Überhaupt hat man im Freiland, mit lebenden Tieren, nur einen Teil der taxonomischen Merkmale vor sich, dafür aber oft einige, die anhand toter Exemplare eben nicht mehr zu sehen sind. Ein schönes Beispiel ist Lasius carniolicus: Beim Hochstellen eines Neststeins marschieren sie alle exakt abwärts, worin sie sich von allen mir bekannten gelben Lasius-Arten deutlich abheben. Aber da erzähle ich Dir wohl kaum Neues. ;)

Zu dem Beitrag von Donat Agosti: Die Inkonsequenz in Ward et al. (2014) betr. Tetramorium/ Strongylognathus wird auch in der Gegenpublikation (im Druck) erwähnt. Ein weiteres wichtiges Argument hat Seifert aufgedeckt: Es gibt in den Int. Nomenklaturregeln keinerlei Vorschrift, wonach die Taxonomie die Phylogenie widerspiegeln muss! (Wie auch? – Die Nomenklaturregeln entstanden lange bevor die Molekulargenetik entsprechende Daten liefern konnte).
Es wäre nach den Nomenklaturregeln jedenfalls nicht notwendig, die ganzen verwirrenden Umbenennungen vorzunehmen! :roll:
Außerdem erscheint es auch recht willkürlich, wo im „Stammbaum“ man für die taxonomische Einstufung relevante Verzweigungen sieht. In letzter Konsequenz könnte man alle Ameisen in eine Gattung Formica packen, denn das war (wenn ich nicht irre) der erste gültige Gattungsname für Ameisenarten.

Ward et al. betätigen sich mal als “lumper“, werfen Gattungen zusammen, mal als „splitter“, indem sie Gattungen wie Monomorium aufspalten. Alles schon mal dagewesen.
W.L.Brown jr. War ein notorischer „lumper“. So hat er Leptothorax gredleri Mayr, 1855 kurzerhand mit L. muscorum Nylander, 1846, synonymisiert, anhand einer einzigen Arbeiterin. http://www.antwiki.org/wiki/images/0/0c/Brown_1955a.pdf S. 47.

Es war eine meiner ersten Arbeiten,1966, L. muscorum und L. gredleri als gute Arten zu bestätigen! Und das hat bis heute Bestand.
Buschinger, A. 1966: Leptothorax (Mychothorax) muscorum NYLANDER und Leptothorax gredleri MAYR zwei gute Arten. - Ins. Soc. 13, 165-172.

In Nordamerika dagegen wird noch heute behauptet, dass es da „typische“ L. muscorum gebe (die ja ursprünglich aus Schweden beschrieben war). Inzwischen wissen wir, dass dort mindestens ein Dutzend Arten von Leptothorax mit anliegenden Bein- und Fühlerborsten existieren, darunter ist uns weder eine echte muscorum noch eine gredleri begegnet.

Leider haben solche Fehleinschätzungen ein verd… zähes Leben. Man wird künftig IMMER nach Teleutomyrmex schneideri UND nach Tetramorium inquilinum suchen müssen, wenn man die Literatur über diese eine Art komplett erfassen möchte. :(

MfG,
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Re: Neues phylogenetisches System der Myrmicinae

Beitragvon Teleutotje » Mittwoch 3. Februar 2016, 00:15

The revision of the Formicinae by the group around Ward appeared today in Zootaxa, free access... http://www.mapress.com/j/zt/article/dow ... 2.3.4/4152
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Re: Neues phylogenetisches System der Myrmicinae

Beitragvon Merkur » Mittwoch 3. Februar 2016, 13:17

Camponotus gigas heißt jetzt Dinomyrmex gigas

PHILIP S. WARD, BONNIE B. BLAIMER & BRIAN L. FISHER, 2016:
A revised phylogenetic classification of the ant subfamily Formicinae (Hymenoptera: Formicidae), with resurrection of the genera Colobopsis and Dinomyrmex. - Zootaxa 4072 (3): 343–357 / http://www.mapress.com/j/zt/article/dow ... 2.3.4/4152

Hier hatten wir es bereits angekündigt: viewtopic.php?f=23&t=588#p10065 :
In der Tribus Camponotini wurden aus der bisherigen Gattung Camponotus ein paar Arten ausgegliedert. So wird die bisher als Untergattung Colobopsis bekannte Gruppe der „Stöpselkopfameisen“ in den Gattungsrang erhoben. Das halte ich für weniger störend.
Dass Ward et al. (2016) nun auch die bisher unter Camponotus gigas bekannte und bei Haltern beliebte Art in eine eigene Gattung Dinomyrmex verlagern (die nur diese eine Art D. gigas enthält plus eine subspecies D. gigas borneensis), ist weniger erfreulich. Man wird sich leider daran gewöhnen müssen. 

Anders als bei der Revision der Myrmicinae (Ward et al. 2014), wo selbst gewichtige morphologische Merkmale beim lumping von Gattungen keine Rolle spielten, werden solche in der Revision der Formicinae nun aufgeführt. Zur Unterscheidung von Dinomyrmex von Camponotus wird eine Merkmalskombination angegeben:
Dinomyrmex is a distinctive camponotine, confined to southeast Asia, and recognized by the combination of very large size (HW 3.25–5.35), elongate antennae and legs, and the presence of a metapleural gland. The species also has characteristic mandibular dentition, with teeth occurring on both the masticatory and basal margins of the mandible (Emery 1925).

Für Colobopsis geben die Autoren sehr viel mehr und meines Erachtens eher überzeugende Merkmale an. Dazu gehört vor allem der Dimorphismus der Arbeiterinnenkaste mit klar abgesetzten „major workers“, mit phragmotischem Kopf (bisher als „Soldaten“ oder “Türschließermorphe“ bekannt). Auch eine spezielle Struktur auf der Ventralseite der Larven (Praesaepium, zur Aufnahme von Futterbrocken) sowie Unterschiede im Bau der männlichen Genitalien werden aufgeführt. Generell haben die Colobopsis-Arten Nacktpuppen, im Gegensatz zu Camponotus. – Die Gattung Colobpsis umfasst immerhin 94 Arten und 23 Unterarten.
Es gibt gute Abbildungen einiger Colobopsis-Arten. Bemerkenswert sind Fig. 12 und 13 mit Tieren von recht ungewöhnlicher Gestalt.

In der Tribus Formicini bleiben die Sklavenhalter-Gattungen Polyergus und Rossomyrmex erhalten, neben den selbständigen Gattungen Formica, Proformica, Cataglyphis u. a.

Die Tribus Plagiolepidini enthält die Gattungen Plagiolepis (einschließlich der nicht erwähnten früheren Parasitengattungen), Acropyga, Lepisiota, Anoplolepis und einige weitere, weniger bekannte.

Die Tribus Lasiini umfasst Lasius, Myrmecocystus, Prenolepis, Nylanderia, Paratrechina, Pseudolasius und andere.

Im Detail siehe Abb.1.

MfG,
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Re: Neues phylogenetisches System der Myrmicinae

Beitragvon Merkur » Sonntag 20. März 2016, 11:44

Der lange angekündigte Artikel gegen die Umbenennungen der Myrmicinen-Gattungen durch Ward et al. (2015) ist (endlich!) in Insectes Sociaux erschienen (online).

Insectes Sociaux, pp 1-6, First online: 19 March 2016 http://link.springer.com/article/10.100 ... 016-0467-1

Banning paraphylies and executing Linnaean taxonomy is discordant and reduces the evolutionary and semantic information content of biological nomenclature von B. Seifert, A. Buschinger, A. Aldawood, V. Antonova, H. Bharti, L. Borowiec, W. Dekoninck, D. Dubovikoff, X. Espadaler and 13 more
Die Autoren:
B. Seifert bernhard.seifert@senckenberg.de (1) A. Buschinger (2) A. Aldawood (3) V. Antonova (14) H. Bharti (4) L. Borowiec (5) W. Dekoninck (6) D. Dubovikoff (7) X. Espadaler (18) J. Flegr (15) C. Georgiadis (8) J. Heinze (9) R. Neumeyer (10) F. Ødegaard (16) J. Oettler (9) A. Radchenko (19) R. Schultz (1) M. Sharaf (3) J. Trager (11) A. Vesnić (12) M. Wiezik (13) H. Zettel (17)
Adressen der Autoren:
1. Senckenberg Museum of Natural History Görlitz, Görlitz, Germany
2. Reinheim, Rossbergring, Germany
3. College of Food and Agriculture Sciences, King Saud University, Riyadh, Saudi Arabia
14. Institute of Biodiversity and Ecosystem Research, Bulgarian Academy of Sciences, Sofia, Bulgaria
4. Department of Zoology and Environmental Sciences, Punjabi University, Patiala, India
5. Department of Biodiversity and Evolutionary Taxonomy, University of Wroclaw, Wrocław, Poland
6. Royal Belgian Institute for Natural Sciences, Brussels, Belgium
7. Faculty of Biology, St. Petersburg State University, St. Petersburg, Russia
18. Autonomous University of Barcelona, Bellaterra, Spain
15. Faculty of Science, Charles University, Prague, Czech Republic
8. Department of Biology, University of Athens, Athens, Greece
9. Department of Zoology and Evolutionary Biology, University of Regensburg, Regensburg, Germany
10. Probsteistrasse 89, Zurich, Switzerland
16. Norwegian Institute for Nature Research, Trondheim, Norway
19. Schmalhausen Institute of Zoology, Kiev, Ukraine
11. Shaw Nature Reserve of the Missouri Botanical Garden, Gray Summit, MO, USA
12. Laboratory for Evolution and Entomology, University of Sarajevo, Sarajevo, Bosnia and Herzegovina
13. Department of Applied Ecology, Technical University in Zvolen, Zvolen, Slovakia
17. Museum of Natural History Vienna, Vienna, Austria

Als Mitautor hoffe ich, bald Zugriff auf den Text zu haben um Einzelheiten daraus posten und PDFs versenden zu können. Aus der letzten Fassung des Manuskripts füge ich hier schon mal unsere Schlussfolgerung ein:

Conclusion
Finally and after all argumentation on operational, logical and evolutionary reasons, we would add: There is no regulation in the current edition of ICZN demanding a naming of genera within big clades in a way that paraphylies are removed. No one is forced to follow the suggestions of Ward et al. (2015) and we ask that myrmecologists not too hastily adopt this proposal only for the reason that it is the newest variant of a phylogenetic system. As Felsenstein (2001) put it, phylogenies are central, but “it is nearly irrelevant how they are then used in taxonomy”. We propose a pragmatic, consensus-based use of phylogenies in taxonomy.

MfG,
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Re: Neues phylogenetisches System der Myrmicinae

Beitragvon Teleutotje » Dienstag 22. März 2016, 15:53

The article is from today open access, it seems.... My first impression is completely in accordance with my view and I'm glad it appeared. Only my mind can't follow it everywhere and I propably need to read it a few more times.... (some scientific terms I need to look up/review and a clearer mind, personal problems...). But yes, I'm glad Teleutomyrmex is back! And my chatname is back bulletprofe!
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Re: Neues phylogenetisches System der Myrmicinae

Beitragvon Merkur » Dienstag 22. März 2016, 18:05

Hi Teleutotje,
Unfortunately we cannot say that the former names of the parasitic genera are back. Though, at least they are no longer banned! ;)

Wie ich bereits befürchtet hatte, ist es mit diesem Beitrag jedem Wissenschaftler freigestellt, in Publikationen entweder die früheren Namen weiterhin zu benutzen (am besten mit Verweis auf unsere Arbeit Seifert et al. 2016 „Banning paraphylies…“), oder aber der Revision von Ward et al. (2015) zu folgen.
Es wird von den Herausgebern der Zeitschriften (und deren Gutachtern) abhängen, ob sie die bisherigen Namen akzeptieren, oder Beiträge nur veröffentlichen, wenn die Autoren sich an die Nomenklatur von Ward et al. halten.

Passend dazu schrieb einer der Verfasser von „Banning paraphylies…“:
…I ask all those who did not want to join us to consider our argumentation seriously and not too thoughtlessly (or automatically) follow the name-changing campaign launched by the cladistic party …. This party achieved absolute sovereignty of the internet airspace at the moment but I have a strong believe that common sense (or sense of proportion) of those scientists doing practical research with ants will finally win."

Es wird also voraussichtlich eine Spaltung geben. Wenn man künftig Literatur über Anergates oder Teleutomyrmex etc. sucht (und die Literatur bis 2015 findet man nur unter diesen Namen), wird man zusätzlich nach Tetramorium atratulum bzw. Tetramorium inquilinum fahnden müssen. Wer etwas Neueres über die verschiedenen Arten der Gattung Myrmoxenus lesen möchte, muss sich zuerst informieren, welche Arten der jetzigen Gattung Temnothorax bisher in der Gattung Myrmoxenus waren, und dann unter jedem einzelnen dieser Auswahl von Temnothorax-Namen suchen.

Leider ist dabei auch das AntWiki nicht lückenlos hilfreich: Sucht man nach Teleutomyrmex (http://www.antwiki.org/wiki/Teleutomyrmex) landet man bei der Auskunft „Teleutomyrmex schneideri, now Tetramorium schneideri. Doch das http://www.antwiki.org/wiki/Tetramorium_schneideri führt zu einer Tetramorium schneideri Emery, 1898, einer selbständigen Tetramorium-Art! Ich habe bei AntWeb bereits vor Wochen diesen objektiven Fehler gemeldet, aber im AntWiki besteht er weiterhin. Uff! :crazy:

Ich hoffe, so wie der zitierte Mitverfasser, dass der „common sense“ siegen wird, aber wer weiß….? :(

MfG,
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Re: Neues phylogenetisches System der Myrmicinae

Beitragvon Teleutotje » Dienstag 22. März 2016, 18:21

If you keep to the principle of last reviser, you meet Prionomyrmex macrops and not Nothomyrmecia macrops... Clark described it as Noth., Baroni Urbani synonymized it with Prion., Ward and Brady and later Bolton made it again Noth. and Baroni Urbani made it again Prion. Bur everybody follows Ward and Brady and Bolton while the last reviser was Baroni Urbani.... That means something and I think we should do the same here. For the relationships follow Ward et al and for the systematics ignore them like everybody ignores Baroni Urbani... Teleutomyrmex and those other genera are clear recognisable groups...
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Re: Neues phylogenetisches System der Myrmicinae

Beitragvon Teleutotje » Dienstag 22. März 2016, 18:27

Can you imagine (I don't include authors and dates but normaly it must!):
Tetramorium inquilinum (formerly Teleutomyrmex schneideri but not Tetramorium schneideri)
If you type this five times your article is already one page longer...
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Re: Neues phylogenetisches System der Myrmicinae

Beitragvon Teleutotje » Donnerstag 24. März 2016, 13:02

Maybe, some day , they get the phylogenies so far that all Myrmicinae must be included in one genus, Myrmica, and at that moment the name inquilinum isn't available any more for Teleutomyrmex schneideri... Maybe we can name it Myrmica saasfeei... Or, if they go back to Linnaeus and include all the ants in one genus, Formica saasfeei...

No, I prefer to keep those morphological distinct genera! Teleutomyrmex schneideri and Teleutomyrmex kutteri, Anergates atratulus and all those other specific names should stay!!!
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Re: Neues phylogenetisches System der Myrmicinae

Beitragvon Teleutotje » Freitag 25. März 2016, 01:07

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Re: Neues phylogenetisches System der Myrmicinae

Beitragvon Teleutotje » Mittwoch 21. September 2016, 22:19

Today a reaction by Ward et al appeared in Insectes Sociaux...

Found the link on Eusozial, posted by Phil...

http://link.springer.com/article/10.100 ... ltext.html
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Re: Neues phylogenetisches System der Myrmicinae

Beitragvon Merkur » Donnerstag 22. September 2016, 10:35

Das Problem scheint mir einfach darin zu bestehen, dass man in einem vielfach verzweigten „tree“ zahlreiche Äste zusammenfasst, die einem Hauptast entspringen. Dabei wird die weitere Aufzweigung verdeckt, unsichtbar gemacht, so als ob die letzten kleinen Zweige (entsprechend den Gattungen und Arten) alle direkt und unmittelbar aus dem Hauptast entspringen würden.
Das halte ich für „misleading“.

Am Beispiel:

Similarly, inclusion of termites in the order Blattodea emphasizes that they are indeed “social cockroaches” and this leads to a more insightful understanding of their biology and evolution (Bell et al. 2007). Excluding termites from Blattodea and putting them in their own order, Isoptera, would be positively misleading.
Die bisherige Ordnung Isoptera, eine monophyletische Gruppe eusozialer Gattungen und Arten, wird aufgegeben und in die Ordnung Blattodea (Schaben) eingegliedert. Man muss nun also wissen, welche Gattungen in dieser erweiterten O. Blattodea eusozial sind (also einst unter Isoptera zu finden waren), und welche solitäre Schaben sind.

Die m. E. bessere Lösung wäre, eine monophyletische „Überordnung“ Blattoptera zu nennen, mit den beiden Zweigen Isoptera und Blattodea, wie bisher. Es gab bereits solche Versuche, ebenso wie man – längst bekannt – Reptilien und Vögel als Ordnungen innerhalb der Gruppe Sauropsida betrachtet hat.

In a phylogenetic classification not all nodes in the tree of life need to be named, but any group that is named must meet the criterion of monophyly.
Klar können nicht alle Verzweigungen (nodes) benannt werden. In letzter Konsequenz müsste man ja für jeweils zwei Schwesterarten, die eine gemeinsame Wurzel haben (eine hat sich von der anderen abgespalten), schon einen Gattungsnamen erfinden.

Betr. Die Gattungen sozialparasitischer Ameisen:
… our molecular phylogenetic results demonstrated that they are nested within more inclusive genera such as Tetramorium and Temnothorax, which each contain hundreds of species. Ongoing molecular studies show that the social parasites are situated shallowly within their respective host genera (F. Hita Garcia, pers. comm.; M. Prebus, pers. comm.), precluding a simple splitting into several monophyletic subgroups.
Nun werden also bereits persönliche Mitteilungen ins Spiel gebracht. Es ist nicht erkennbar, welche der Sozialparasiten-ARTEN überhaupt genetisch untersucht wurden. In Ward et al. 2015 war es eine einzige Myrmoxenus-Art.
Es wurden Morphologie und DNS-Sequenzen berücksichtigt. Längst bekannte und veröffentlichte Merkmale wie (einzigartige) Karyotypen oder Verhaltensmuster (Königinnenmord, Kampftechniken, Rekrutierungsverhalten) blieben außen vor. Doch auch diese Merkmale haben genetische Grundlagen. Die muss man nur suchen! Sie sind nicht konvergent bei jeder einzelnen Art der Parasitengattungen entstanden. Alle Arten der Gattung Myrmoxenus gehen auf eine einzige Art zurück.

Usw.- Ich muss den neuen Artikel erst gründlich lesen, aber das rigorose Verstreuen der mit Sicherheit monophyletischen Gattungen Myrmoxenus bzw. Chalepoxenus zwischen die - nach Artepitheta alphabetisch angeordneten - zahllosen Arten der Gattung Temnothorax halte ich für den falschen Weg!
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Re: Neues phylogenetisches System der Myrmicinae

Beitragvon Teleutotje » Donnerstag 22. September 2016, 23:31

I personally think Ward et al. will stop when all the ants are back in Linnean times, when all ants are in the genus Formica.... :( :mad: :redface:

In that case my reworked classification of ants will never have a chance, to much subfamilies to start with....

Beiträge zusammengefügt (Reber):
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Re: Neues phylogenetisches System der Myrmicinae

Beitragvon Teleutotje » Donnerstag 9. August 2018, 23:27

After all the discussions and problems with those names and all that time that has passed, I fell only now over a missing reference in Ward et al. You know what is missing? Here:

Sanetra, M., Buschinger, A., 2000, “Phylogenetic relationships among social parasites and their hosts in the ant tribe Tetramoriini (Hymenoptera: Formicidae).” European Journal of Entomology, vol. 97, no. 1, p. 95-117.

Long live Teleutomyrmex!
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Re: Neues phylogenetisches System der Myrmicinae

Beitragvon Teleutotje » Freitag 10. August 2018, 23:21

A new publication that could be very bad news, Professor Merkur....

What will happen with Leptothorax, Formicoxenus and Harpagoxenus????????????

A new extinct ant genus (Hymenoptera: Formicidae: Myrmicinae) from the Late Eocene Rovno amber – a putative ancestor of the Leptothorax genus group
Radchenko, A., Dlussky, G.M.† & Perfilieva K.
Myrmecol. News 27: 111-117.

Abstract: A new genus and a new species of ant, Proleptothorax primitivus, are described based on two males from the Late Eocene Rovno amber of Ukraine. This genus is characterized by the antennae 13-segmented, with the funiculus filiform without an apical club, by the very short antennal scape, by the short and narrow, bidentate mandibles, and by the forewing with cell 3r closed. We consider these features as obvious plesiomorphies compared with Leptothorax Mayr, 1855, Formicoxenus Mayr, 1855, and Harpagoxenus Forel, 1893 and assume that Proleptothorax could be regarded as a putative ancestor of the extant genera of the Leptothorax genus group.

https://www.myrmecologicalnews.org/cms/ ... Itemid=421
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Re: Neues phylogenetisches System der Myrmicinae

Beitragvon Merkur » Montag 13. August 2018, 10:29

Hi Teleutotje,

Ich habe wenig Sorge vor weiteren Umbenennungen! Aus den Bernstein-Ameisen (vor 34-37 Mio Jahren) wird man kaum passende DNA-Stückchen analysieren können.
Es ist ohnehin problematisch, Fossilien in das System der rezenten Organismen einzugliedern. Solche Funde müssen beschrieben werden, und man muss ihnen einen Namen geben. Ob die zwei Männchen für die damalige Leptothorax-Gruppen-Fauna typisch sind, lässt sich kaum sagen.
Ich halte es für sinnlos, mit jedem neuen Fossilfund das System umzukrempeln, ebenso wie mit jeder neuen „Erkenntnis“ zur Phylogenie einer Gruppe. Der Zweck eines Systems ist, Ordnung zu schaffen, und zwar möglichst dauerhaft. - Aber dazu (hoffentlich) demnächst mal mehr. ;)

MfG,
Merkur
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Re: Neues phylogenetisches System der Myrmicinae

Beitragvon Teleutotje » Montag 13. August 2018, 12:17

Hello Merkur,

For me it is another proof that those 3 genera belong together. In the discussion before you were surprised they didn't synonymise them. It is no DNA but more proof these genera belong together. But I am also in favour that they stay separate!

Yours,

Teleutotje
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