Lasius (Chthonolasius) sp. - Gründung - Diskussion

Lasius (Chthonolasius) sp. - Gründung - Diskussion

Beitragvon Maddio » Donnerstag 29. September 2016, 15:17

Hi Reber,

ich bin auch mit einem sozialparasitären Gründungsversuch einer Chthonolasius-Königin beschäftigt, der Bericht dazu findet sich, auf Wunsch der Halterin die das Wirtsvolk zur Verfügung gestellt hat, im Ameisenforum: https://www.ameisenforum.de/chthonolasius-grundungsversuch-t55113.html

Bei meinen Recherchen zum Thema habe ich viel Nutzen aus den aus der Praxis stammenden Hinweisen von Frank Mattheis zum Thema ziehen können. Seiner Annahme nach, geht speziell bei den verwandten Lasius fuliginosus meist bei weisellosen Wirtskolonien die Gründung am erfolgreichsten vonstatten. Diese dürften meistens auch ohne Larven sein. Bei Chthonolasius kann es gut sein, dass es sich ähnlich verhält und sich weisellose Kolonien zur erfolgreichen Gründung für diese besser eignen als ein potentes Wirtsvolk mit Königin.

Meine Wirtskolonie wurde von der Halterin bereits länger weisellos gehalten, und hat dementsprechend keinerlei Brut mehr. Die Königin lebt seit dem 15. Juli also ohne irgendwelche Larvensekrete, und bisher scheint alles gut zu gehen (sind aktuell bereits eingewintert).
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Maddio
 

Re: Lasius (Chthonolasius) sp. - Gründung, Zwangszusammenfüh

Beitragvon Merkur » Donnerstag 29. September 2016, 16:40

Etwas OT, aber vielleicht hilfreich um (via Literaturverzeichnis) näher in das Thema einzusteigen:
Seifert, B., Buschinger, A. (2001): Pleometrotische Koloniegründung von Lasius meridionalis (BONDROIT, 1920) bei Lasius paralienus SEIFERT, 1992, mit Bemerkungen über morphologische und ethologische Anpassungen an die sozialparasitische Koloniegründung (Hymenoptera: Formicidae). Myrmecologische Nachrichten 4, 11-15. / https://myrmecologicalnews.org/cms/inde ... Itemid=348

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Re: Lasius (Chthonolasius) sp. - Gründung, Zwangszusammenfüh

Beitragvon Maddio » Donnerstag 29. September 2016, 18:04

Scheinbar kommt man bei folgendem Link ohne Anmeldung aus:

http://antbase.org/ants/publications/14681/14681.pdf

Edit:

Gleich mal eine kurze Frage zu der Publikation:

Auf Seite 2 des Dokuments heisst es in der rechten Spalte

Innerhalb der Gattung Lasius scheint nach bisherigen Erkenntnissen Monogynie der Regelfall zu sein. Eine echte Polygynie ist in der Holarktis bisher nur bei Lasius neglectus und L. sakagamii nachgewiesen und somit als Ausnahme zu betrachten [...]."


Wurde Lasius fuliginosus 2001 noch nicht zur Gattung Lasius gezählt? Oder wurde die Polygynie dieser Art noch nicht erforscht zu diesem Zeitpunkt?
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Zuletzt geändert von Maddio am Donnerstag 29. September 2016, 19:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Lasius (Chthonolasius) sp. - Gründung, Zwangszusammenfüh

Beitragvon Merkur » Donnerstag 29. September 2016, 19:12

Schön, dass Du diese Quelle gefunden hast! Da ist die Arbeit nicht nur scheinbar, sondern tatsächlich zugänglich.

Zum Zeitpunkt unserer Arbeit über Lasius meridionalis (2001) war die Polygynie von L. fuliginosus in der Diskussion, aber längst noch nicht abgesichert. Seifert 2007 schreibt ebenso wie bereits in seinem Buch 1995: "Kolonien oft sehr volkreich und polygyn-polykalisch.." - Ich kann jetzt nur vermuten, dass es dazwischen wieder Zweifel gab. Eine Arbeit, in der man mal wirklich 2 oder mehr voll fertile Königinnen gleichzeitig in einem Nest gefunden hätte, ist mir nicht in Erinnerung. Bei unserer Arbeit ging es ja nur um einen Zufallsfund mehrerer frisch begatteter Gynen der parasitischen Art in einem Wirtsnest. Ob sich daraus eine stabile Polygynie entwickelt hätte, ist unbekannt. Ich denke, dass Seifert in der Arbeit 2001 das nach seinen Kenntnissen seinerzeit Zutreffende geschrieben hat. Ich habe mich darauf verlassen, da er über die einheimischen Ameisen mit Abstand besser informiert ist als ich.

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Re: Lasius (Chthonolasius) sp. - Gründung, Zwangszusammenfüh

Beitragvon Maddio » Donnerstag 29. September 2016, 19:46

Vielen Dank für die umfangreiche Antwort. Das Erscheinungsjahr habe ich oben korrigiert.

Ich bin bisher immer davon ausgegangen, dass Lasius fuliginosus als eine Art bekannt ist, die als typischer Vertreter der Polygynie gilt. Wahrscheinlich auch wegen der volkreichen Nester, und dem großen Areal was kontrolliert werden kann und oft Außenposten beinhaltet. Das hätte ich nicht für möglich gehalten, dass diese recht auffällige und häufige Art erst vor so kurzer Zeit in dieser Hinsicht erforscht wurde.
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Maddio
 

Re: Lasius (Chthonolasius) sp. - Gründung, Zwangszusammenfüh

Beitragvon Merkur » Donnerstag 29. September 2016, 22:24

STOP! Nebengleis ohne Anschluss!

Hier berichtet Reber über ein Experiment mit einer Chthonolasius-Art. Diesen Thread sollten wir im Sinne einer Forendisziplin nicht für ganz andere Themen missbrauchen.
Wer über Lasius fuliginosus diskutieren möchte, soll einen eigenen Thread dazu aufmachen. Am besten sogar im eusozial, wo ja der anerkannte L. fuliginosus-Experte F.M. dazu Auskunft geben kann.
Ich bin (in der Forenwelt :Leider!) immer zu höflich und versuche Fragen direkt zu beantworten. Tut mir Leid, Reber!

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Re: Lasius (Chthonolasius) sp. - Gründung, Zwangszusammenfüh

Beitragvon Reber » Freitag 30. September 2016, 12:15

Es sind auf jeden Fall interessante Themen und Links die ihr hier im Zusammenhang mit der Gründung unterbreitet - danke!
Eigentlich wollte ich hier keinen Diskussionsfaden machen, habe mich jetzt aber doch noch dafür entschieden.

Was mir noch aufgefallen ist: Bei Lasius-Arten, z.B. bei Lasius niger beginnt nach den Tod der Königin eine (oder mehrere?) Arbeiterinnen mit den Legen von unbefruchteten Eiern. Die verbliebenen Arbeiterinnen ziehen daraus nur noch Männchen auf. Der Zeitraum, in dem es keine Brut in weisellsosen Nestern gibt, dürfte also in der Natur relativ kurz sein.

Aber ich bin auch überzeugt davon (habe aber keine Belege dafür), dass sich eine weisellose Kolonie zur Gründung sowohl für Dendrolasius als auch für Chthonolasius besser eignet. Einfach deshalb, weil die starken Duftstoffe der Nestmutter fehlen...
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Re: Lasius (Chthonolasius) sp. - Gründung - Diskussion

Beitragvon Maddio » Freitag 30. September 2016, 13:25

Tut mir sehr leid, dass es nicht geklappt hat. Ich würde mir über die Ursachen auch nicht allzu viele Gedanken machen, die Gründung von Chthonolasius scheint nicht zuletzt auch glückssache zu sein.

Was Brut bei weisellosen Lasius-Kolonien betrifft, kann ich nur von meiner wirtskolonie berichten. Diese wurde von der Halterin bestens umsorgt und es wurden trotzdem keine Eier gelegt. Der betreffende Haltungsbericht findet sich verlinkt in meinem Gründungsbericht.

Entschuldigung für die Form schreibe vom Handy.
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Maddio
 

Re: Lasius (Chthonolasius) sp. - Gründung - Diskussion

Beitragvon Trailandstreet » Freitag 30. September 2016, 14:48

Ich denke auch, dass die Sache wohl weitaus komplizierter ist als sie scheint.
Immerhin gründet diese sozialparasitäre Gyne ja bei eine monogynen Art. Da ist sie im Prinzip als "Zweitgyne" schon gefährdet.

Das Problem bei der Sache wird wohl schon grundsätzlich darin liegen, dass alles schon mal 100%ig passen muss.
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